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Mittwoch
04.03.2026

Medien / Publizistik

«Dafür, dass sich tsüri so für ein ökologische Zürich stark macht, ist so ein Auftrag in die Nähe von Bonn und Köln zu vergeben, nicht gerade vorbildlich»...   (Bild: zVg)

«Dafür, dass sich tsüri so für ein ökologische Zürich stark macht, ist so ein Auftrag in die Nähe von Bonn und Köln zu vergeben, nicht gerade vorbildlich»... (Bild: zVg)

«Ich fand in meinem Briefkasten im Kreis 6 die Ausgabe für den Kreis 10.» Das sagt Lorenz Steinmann, langjähriger Lokaljournalist und heute Redaktionsleiter des «Altstadt-Kuriers» im Zürcher Kreis 1, über die massenhaft fehlgeleiteten Wahlzeitungen des Online-Magazins «Tsüri.ch».

Dass es logistisch nicht geklappt hat wundert den 60-Jährigen, aber sauer aufgestossen ist dem Profi, dass das Wahlheftli von «Tsüri.ch» unter der redaktionellen Leitung von Simon Jacoby in Meckenheim in Deutschland gedruckt wurde. «Dafür, dass sich tsüri so für ein ökologische Zürich stark macht, ist so ein Auftrag in die Nähe von Bonn und Köln zu vergeben, nicht gerade vorbildlich», sagte er am Mittwoch zum Klein Report.

Auch er hat den Artikel «Inserate-Schlamassel im Zürcher Wahlkampf» im «Blick» vom Mittwoch mit Interesse gelesen. Nachdem er 20 Jahre für die Lokalinfo AG gearbeitet hat, kennt er sich mit der Thematik auf dem Medienplatz Zürich bestens aus.

Über die genannten Beträge habe er gestaunt. «22'000 Franken soll allein die FDP an Tsüri überwiesen haben», wundert sich Steinmann über den angekündigten Aussand von 204'000 Exemplaren. «Der Gegenwert scheint mir eher mager. Redaktionell gibt das Heftli im Format des Abstimmungsbüchleins praktisch nichts her.»

So schreibe Chefredaktor Simon Jacoby im Vorwort, dass «Tsüri.ch» «verschiedene Personen und Positionen vorstelle». «Davon habe ich nichts gelesen. Es gibt lediglich simple Anleitungen, wie wählen geht. Zudem fehlen in der Aufstellung der neu kandidierenden Personen wie Jung-FDP-Kandidat Mikhail Shjalaev», moniert der Journalist im Gespräch mit dem Klein Report.

Für Steinmann steht fest: «Tsüri hat eine im Prinzip löbliche Idee grandios in den Sand gesetzt.» Das war die Idee, in die Bresche zu springen, welche nach der Einstellung der vier Quartierzeitungen der Lokalinfo AG (Zürich West, Züriberg, Zürich Nord und Zürich2) entstanden ist.

«Wahlbeilagen zu produzieren, scheint noch nicht die Kernkompetenz von tsüri», so der erfahrene Lokaljournalist, der neben seinem Job als verantwortlicher Redaktor des «Altstadt-Kuriers» mit Pascal Turin zusammen das Politmagazin rathuus.ch betreibt.