Nur «vorerst» gescheitert ist laut der Ostersamstagausgabe der Berner Tageszeitung «Der Bund» eine Kooperation zwischen dem Zürcher «Tages-Anzeiger» und der «Basler Zeitung». In Basel hätte man einen solchen Deal unabhängig von konkreten Vertragsbedingungen unweigerlich als Ausverkauf an die Zürcher gesehen. Die Baz wäre als Kopfblatt des Tagi dagestanden. Weil die Inserateeinnahmen in der gegenwärtigen Hochkonjunktur auch bei der Baz wieder reichhaltiger sprudeln, habe der Leidensdruck gefehlt.
In den vergangenen Wintermonaten hat laut dem «Bund» der Tagi-Verlag Tamedia Gespräche mit der Gruppe Basler Zeitung Medien geführt über eine sehr weit gehende Kooperation mit gemeinsamer Ausland-, Inland-, Wirtschafts- und Kulturredaktion. Zunächst hätte eine Mantelredaktion für TA und Baz gebildet werden sollen. Als nächste Stufe sei dann ein von der Tamedia kontrollierter Ring von Deutschschweizer Regionalzeitungen. Auf Verlegerebene seien die Verhandlungen zwischen Hans Heinrich Coninx (Tamedia) und Mathias Hagemann (Baz) gelaufen, auf Unternehmensebene zwischen den Konzernleitern Martin Kall und Beat Meyer.
«Der Bund» sieht die Tagi-BaZ-Kooperation vor dem Hintergrund der finanziellen Verflechtung und Zusammenarbeit zwischen der «Neuen Zürcher Zeitung» und der Publigroupe. Darum lancierte der Tagi einen Verdrängungskampf in der Agglomeration Zürich: Mit fünf regionalen Supplements will der TA dort die mit der «NZZ» liierten Regionalzeitungen «Zürichsee-Zeitung», «Zürcher Oberländer» und «Zürcher Unterländer» aus dem Markt werfen.
Die Zusammenarbeit zwischen Tamedia und Baz-Gruppe hat schon längere Tradition. Die BaZ verbreitet am Samstag bereits die «Tages-Anzeiger»-Beilage «Das Magazin» und spannt mit dem Zürcher Grossverlag im Inseratepool «Metropool» zusammen. Vertieft haben sich diese Kontakte aus Ärger der Basler über das Zusammengehen der «Basellandschaftlichen Zeitung» mit den Mittelland-Zeitungen unter der Führung von «Aargauer-Zeitung»-Besitzer Peter Wanner. Seit Ende Februar lässt Tamedia einen Teil der Auflage der Pendlerzeitung «20 Minuten» in Basel drucken. Im März wurde bekannt, dass die Zürcher den Baslern den Anschluss einer Lokalradio-Station an ihren Inseratepool ermöglichen.
«Der Bund» geht trotz des «vorläufigen» Platzens des Tagi-BaZ-Deals davon aus, «dass jetzt schon auch mit anderen Verlegern Gespräche geführt werden.» Die Anzeichen, dass es in der Schweizer Medienbranche schon sehr bald zu massiven Umwälzungen kommt, haben sich verdichtet. So suche die Berner Espace Media Groupe («Berner Zeitung») angesichts des Alters der Hauptaktionäre neue Eigentümerstrukturen. Auch beim Westschweizer Grossverlag Edipresse sei die Eigentümernachfolge nicht geregelt. Es zirkuliert das Gerücht, die Schweizer Zeitungstitel «Le Matin», «24 heures», «Tribune de Genève», «Le Matin Dimanche», «Le Temps» (50 Prozent) und das Gratisblatt «Le Matin bleu» stünden zum Verkauf und es gebe Kontakte zu Tamedia. Edipresse nimmt dazu nicht Stellung und verweist auf die demnächst anstehende Bilanzpressekonferenz. - Siehe auch: Tamedia vergibt «20 Minuten»-Druckaufträge neu, BaZ-Verleger Hagemann macht auf selbstständig und «Basler Zeitung»: Verschmähte Braut reagiert mit Drohungen
Montag
09.04.2007