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Sonntag
11.01.2026

TV / Radio

Der langjährige SRG-Generalsekretär Walter Bachmann nimmt SRG-Direktorin Susanne Wille an der Garderobe an der Dreikönigstagung in die Pflicht...   (Bild: Dreikönigstagung/KR)

Der langjährige SRG-Generalsekretär Walter Bachmann nimmt SRG-Direktorin Susanne Wille an der Garderobe an der Dreikönigstagung in die Pflicht... (Bild: Dreikönigstagung/KR)

Der Abstimmungstermin für die SRG-Initiative «200 Franken sind genug!» naht mit dem 8. März, die Nervosität steigt.

Denn das Pendel kann zum jetzigen Zeitpunkt noch in jede Richtung ausschlagen. Dementsprechend nervös war die Grossdelegation der SRG an der Dreikönigstagung der Verleger. Das SRG-Lobbying läuft auf Hochtouren.

An der Tagung im Zürcher Aura versuchte man den umstrittenen Deal zwischen der SRG und dem Verband Schweizer Medien (VSM) herunterzuspielen. In diesem verpflichten sich die Verleger, die Gebührenfinanzierung der SRG zu unterstützen und gegen die SRG-Halbierungsinitiative zu kämpfen, während diese im Gegenzug ihre Online-Angebote zurückfahren würde.

Und: Die SRG, die ein Grosskunde im Werbemarkt ist, lässt vertraglich zugesichert Werbegelder in die Medienprodukte des Verbandes (VSM) fliessen. Die Wettbewerbskommission (Weko) findet dies und die Absprachen zu zukünftigen TV-Konzessionsausschreibungen gar nicht lustig und hat ein Veto eingelegt.

Der «SonntagsBlick» versuchte sich gleich zwei Mal am Thema SRG-Initiative: Ein grosses Interview mit SRG-Generaldirektorin Susanne Wille (51) und ein angebliches «geheimes Gutachten zur Halbierungs-Initiative» mit dem Titel «Bei einem Ja droht ein Chaos» wurden der Leserschaft am Sonntag präsentiert.

Auffällig bei beiden Ringier-Texten: Es fehlt der Hinweis, dass der Medienkonzern SRG von Ringier durch deren Tochterfirma Admeira vermarktet wird. Ein nicht unwesentlicher Baustein im Vermarktungsuniversum von Ringier-CEO Marc Walder (60).

Unter der Schlagzeile «Wir haben etwa 100 Sparhebel identifiziert» befragen Reza Rafi und Raphael Rauch SRG-Generaldirektorin Susanne Wille; Beim Papier das von Martin Dumermuth (69), ex Chef des Bundesamtes für Kommunikation (Bakom) und ehemaliger Direktor des Bundesamts für Justiz im August 2023 eingereicht worden ist, haute Marco Lüssi in die Tasten.

Auf die «SonntagsBlick»-Frage, weshalb das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) am 1. Januar am Abend keine Sondersendung zur Brandkatastrophe in Crans-Montana gebracht habe und stattdessen den Krimi «Tatort» und «Auf und davon» ausgestrahlt habe, weicht die ehemalige TV-Moderatorin erst einmal aus. «Zuerst möchte ich sagen, dass mich die unfassbare Tragödie von Crans-Montana erschüttert. Die ganze SRG ist in Gedanken bei den Opfern und Angehörigen.»

Wille: «Wir teilen diese Trauer mit der ganzen Schweiz. Wir haben darum die Trauerfeier vorgestern auf allen Fernsehkanälen übertragen. Wann aber welche einzelne Sendung ausgestrahlt wird, müssen Sie die Direktorinnen und Direktoren der einzelnen Sender fragen.»

Seit Neujahr hätte der Sender auf allen Kanälen in allen Sprachregionen berichtet, «auch mit vielen Sondersendungen». Für sie sei nicht nur das Was entscheidend, sondern auch das Wie. «Mir ist wichtig, dass unser Journalismus den richtigen Ton trifft, sachlich, unaufgeregt und nicht reisserisch ist. Zu jedem Zeitpunkt haben wir die Würde der Opfer und der Angehörigen gewahrt.»

Die Journalisten Reza Rafi und Raphael Rauch fassen direkt nach: «Heisst das im Umkehrschluss, dass Sender wie BBC oder CNN die Würde der Menschen verletzt haben?» Susanne Wille: «Nein, das habe ich nicht gesagt. Ich habe gesagt, dass es für uns als SRG wichtig ist, wie wir über etwas berichten, gerade bei einem derart tragischen Ereignis, das alle Menschen in der Schweiz bewegt.»

«Trotzdem vermissen wir von Ihnen Selbstkritik», folgt auf dem Fusse. Ob man von SRF bei einer nationalen Katastrophe nicht mehr Flexibilität im Programm erwarten könne? «Natürlich sind wir selbstkritisch. Dafür stehe ich», antwortet Wille etwas schablonenhaft. «Nach jedem grossen Ereignis ziehen wir Bilanz und schauen, was funktioniert hat und was nicht.»

Nach Crans-Montana hätte die SRG in allen Regionen das Programm umgestellt, die Gala «Sports Awards» sei abgesagt worden und «zig Sondersendungen aus dem Boden gestemmt».

Am Neujahrsabend hätten über eine Million Menschen die «Tagesschau» gesehen und 1,6 Millionen hätten die News über die App verfolgt.

Darf der Klein Report mal rhetorisch nachfragen: Wo hätte die Bevölkerung in der Schweiz denn sonst schauen können - ausser bei einem Defacto-Monopolisten?

Viele Zuschauende sind einmal mehr auf ARD und ZDF ausgewichen. Die ARD brachte am Neujahrsabend nach ihrer «Tagesschau» einen Brennpunkt, darin wurden bereits verifizierte Bilder aus dem Netz, wie beispielsweise der Notausgang mit dem roten Teppich gezeigt und «eingeordnet». Der Krimi Tatort wurde nach hinten verschoben. Erst kommt die Informationspflicht bei der ARD.

In der SRF-«Tagesschau» am Neujahrsabend war eine Schalte zur Wallis-Korrespondentin in Crans-Montana, Anna-Lisa Achtermann, exemplarisch für den Sender. Die Reporterin berichtete gut, sachlich, beschrieb auch die grossen Emotionen vor Ort und verstieg sich dann zur Aussage, dass im Netz viele Bilder und Spekulationen im Umlauf seien. An den Spekulationen wolle sie sich aber nicht beteiligen.

Ja, hoffentlich nicht!, kommentiert diese Aussage der Klein Report. Hoffentlich nicht.

Dieser oberlehrerhafte, aber wahrscheinlich eher einer Überforderung nahe Sprech, wird in ähnlicher Form beim Sender oft fallen gelassen. «Wir analysieren für Sie» oder «Wir ordnen das Geschehen ein» sind mittlerweile oft PR-Sprech-Blasen.

Dann antwortet Susanne Wille auf die Fragen zur erneuten UKW-Aufschaltung bei der SRG so: «Unser Publikum kommt bei jeder Entscheidung an erster Stelle. Wir möchten, dass unsere Hörerinnen und Hörer unsere Programme hören können –  Punkt. Das ist wichtig.»

Sie hoffe, dass der Sender noch in diesem Jahr wieder auf UKW senden könne. Der Ball liege im Moment beim Bundesamt für Kommunikation. «Wir müssen zuerst wissen, welche Frequenzen für wie viele Jahre ausgeschrieben werden und zu welchen Bedingungen.»

Rückblickend sei es ein Fehler gewesen, dass die SRG beim UKW-Aus vorangegangen sei. «Die SRG wollte sich als Erstes zurückziehen, um den privaten Sendern, die auf Werbegelder angewiesen sind, eine grössere Übergangszeit zu geben.»

UKW sei ein emotionales Thema, das die Menschen geärgert habe. «Das tut mir leid», so Wille, die dann gefragt wurde, ob sie nervös sei, bezüglich der Initiative «200 Franken sind genug».

«Ich nehme diese Abstimmung ernst und kämpfe jeden Tag», sagt Wille. Von einem Sparprogramm zu sprechen, sei eine Verharmlosung. «Die Initiative will die SRG kaputt machen», antwortet Susanne Wille darauf.

Gemäss den beiden Journalisten gab es vor und nach dem Interview mit Wille ein Hin und Her wegen kritischer Fragen. «Abschnitte zur scheidenden SRF-Direktorin Nathalie Wappler (58) etwa oder zu manchen Kritikpunkten am SRF-Programm wollte die Chefin gestrichen haben», heisst es in der Einleitung zum «SonntagsBlick»-Interview.

Frage des «SonntagsBlick»: «Sollte die Initiative angenommen werden, müssten wir statt 300 Franken pro Monat 200 Franken zahlen. Das sind zwei Drittel und nicht die Hälfte. Ist es nicht unlauter, von einer Halbierung oder von «kaputt machen» zu sprechen?»

Die Halbierung beziehe sich auf die SRG, nicht auf den Beitrag, so Wille. «Und da müssen wir benennen, was Sache ist. Es geht ja nicht nur um die Haushaltsabgabe. Uns würden auch 180 Millionen fehlen, die bislang von den Unternehmen kamen.»

Mit weniger Programmen sänken auch die Werbeeinnahmen, so Susanne Wille, die aber geflissentlich unerwähnt lässt, dass 2025 mit allen grossen Sportereignissen und dem durch Nemo geschenkten European Song Contest (ESC) die SRG in Sachen Werbemillionen vor dem Mitbewerber Goldbach (TX Group) liegt, der auch nicht gerade am Hungertuch gnagt.

Und 2026 wird ein absolutes Sport-Jahr mit Grossereignissen: Werbegelder werden hier ohne Ende fliessen, fügt der Klein Report an.

Falls Sie zurücktrete, falls die Initiative angenommen würde? «Die Frage stellt sich im Moment nicht. Es geht doch nicht um mich, sondern um das, was auf dem Spiel steht», sagte Susanne Wille dazu.