Ingrid Deltenre, Fernsehdirektorin von SF DRS, und ihre männlichen Pendants Gilles Marchand (TSR) und Remigio Ratti (TSI) diskutierten auf Einladung der Publisuisse SA, SRG-Tochter und -Vermarktungsgesellschaft, im hauseigenen «Impact» über das nationale Medium TV, neue Schwerpunkte und neue Formate in ihren Programmen. Die drei Fernsehmacher nutzten die Plattform vor allem, um Werbung in eigener Sache zu machen. So fanden alle, dass das Schweizer Fernsehen eine starke Marke sei - auch die regionalen Ableger legten Wert auf diese Feststellung.
Ingrid Deltenre ging noch weiter in ihren Ausführungen. «Wenn wir uns nämlich nur mit uns selbst beschäftigen und mit dem Lokalfernsehen in der Schweiz, verlieren wir den Anschluss an die internationale Entwicklung. Wir von SF DRS orientieren uns nicht an Tele Züri, sondern an den grossen Märkten, dazu gehören die umliegenden Länder Deutschland, Italien und Frankreich. Wir schauen auch nach England», hiess es. Dabei vergisst Deltenre, dass sich lokale und internationale Gesichtspunkte nicht beissen müssen. Ein «SonnTalk» kann mitunter spannender sein als ein «Zischtigsclub» oder umgekehrt. Die Dating-Show «Swiss Date», die auf Tele Züri seit Jahren erfolgreich läuft, wäre vielleicht sogar national ein Renner.
So gibt es verschiedene Beispiele, wie beide Anstalten voneinander lernen könnten und nicht immer wieder vor allem von Seiten SF DRS betonen müssten, dass sie den anderen nicht als Konkurrenz anschauen. Ganz abgesehen von den vielen Moderator/innen und Redaktor/innen, die durch die harte Tele-Züri-Schule gegangen sind und dann gut ausgebildet zu SF DRS wechselten. Das scheint Deltenre gerne zu vergessen. So schlecht kann dann also die lokale Konkurrenz auch nicht sein.
Weiter geht es im Gipfeltreffen der drei TV-Mächtigen um neue Formate. Ingrid Deltenre: «Wir sind bei der Entwicklung der Programme ähnlich vorgegangen wie die TSR, haben aber die Schwerpunkte anders gelegt. Der Bereich Unterhaltung war unser wichtigstes Thema. In der neuen Geschäftsleitung von SF DRS gings zuerst um folgende Frage: Geben wird das Geld richtig aus? Als wir den Audience-Flow analysiert haben, kam heraus, dass wir bei der Zuschauerbindung besser werden müssen. Vor allem im Vorabend, der Acces-Primetime, die bei uns in der Deutschschweiz bereits um 18 Uhr anfängt. Im Moment ist sehr viel Innovation im Gang. Wir kreieren im Unterhaltungsbereich neue Formate und optimieren bestehende Gefässe in der Information, etwa mit neuen Moderatorinnen und Moderatoren - und mit inhaltlichen Erweiterungen.»
Der Klein Report denkt laut: Heisst dass im Klartext, dass wir uns künftig von einer lieb gewonnenen «Tagesschau»-Moderatorin wie Katja Stauber verabschieden müssen, oder heisst das auch, dass News-Urgesteinen wie Heiri Müller und Stephan Klapproth neue Aufgaben zugeteilt werden? Ins Detail geht Deltrenre nicht. Dafür unterstreicht sie den Wunsch, neue Zuschauer und Zuschauerinnen, vor allem jüngere, zu gewinnen. Ob ihr das gelingt, wird sich zeigen.
Dann hält die Fernsehdirektorin nochmals fest, «dass Eigenproduktionen von 18 bis 23 Uhr unser Rezept sind. Da sitzen die meisten Leute vor dem Fernseher. Wenn wir dieses Zuschauerpotenzial anschauen und gleichzeitig überlegen, wofür wir unser Geld ausgeben, wird klar: Wir müssen uns auf die Primetime konzentrieren. Zusätzlich ins Tagesprogramm zu investieren, können wir uns zurzeit nicht auch noch leisten.» Mit anderen Worten: Deltenre lässt das Tagesprogramm völlig ausser Acht, weil sie das Gefühl hat, damit keinen Blumentopf gewinnen zu können. Falsch gedacht, denn die Konkurrenz in Deutschland, so zum Beispiel das ZDF, schläft auch nachmittags nicht. So hat der Sender den Samstagnachmittag erst in diesen Wochen mit neuen Formaten «gestärkt».
Donnerstag
13.01.2005