Die Frage war nicht ob, sondern nur wann und wie: Die Trauer um die jungen Opfer von Crans-Montana nimmt in der italienischen Öffentlichkeit so viel Raum ein, dass absehbar war, dass sie auch beim Festival della Canzone Italiana di Sanremo eine Bühne erhalten würde.
Am zweiten Festivaltag, am Dienstag, übernahm der Rapper und Popsänger Achille Lauro diese schwierige Aufgabe. Er meisterte sie mit grosser Bravour.
Auf der Festivalbühne erwies Lauro den Opfern von Crans-Montana die Ehre, indem er sein Lied «Perdutamente» sang. Unterstützt wurde er auf der abgedunkelten Bühne von der Sopranistin Valentina Gargano sowie einem zwanzigköpfigen Chor.
Die Wahl fiel auf «Perdutamente», weil es bei der Beerdigung eines 16-jährigen Opfers von dessen Mutter gesungen worden war. Es ist eines der Lieblingslieder des Verstorbenen gewesen. Der Song handelt eindringlich von starken Emotionen und thematisiert die Zerbrechlichkeit des Lebens. Er beschreibt eine obsessive Liebe, die einen Menschen den Halt verlieren lässt, und verbindet dies mit einer Reflexion über den Sinn des Lebens – mal zynisch, mal klar –, ebenso wie mit der Angst, dass alles in einem einzigen Augenblick enden könnte.
Nach dem Auftritt erhoben sich die Zuschauerinnen und Zuschauer im Saal und applaudierten lange. Für die Darbietung und für die Opfer von Crans-Montana.
Bezeichnend ist auch, dass diese sieben Minuten des Gedenkens an die Brandkatastrophe zu einem der quotenstärksten Momente des Abends wurde.
Das Sanremo-Festival wird 2026 zum 76. Mal ausgetragen und dauert noch bis Samstag. Es ist zu erwarten, dass viele der 30 Lieder, die im Wettkampf um das beste Lied Italiens antreten, sich am Sonntag auch in der Schweizer Hitparade wiederfinden – und allenfalls auch das Trauerlied von Achille Lauro.



