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Samstag
10.07.2004

Die Radiotele AG, exklusive Vermarkterin des Musiksenders Viva in der Schweiz, hat Schweizer Jugendliche über ihr Verhältnis zum illegalen Download aus dem Internet befragt. Der vom Institut für Angewandte Medienwissenschaft der Hochschule Winterthur verfasste und am Freitag veröffentlichte «Spezial-Report Raubkopien» stellt einen Widerspruch zwischen Wissen, Einstellungen und tatsächlichem Verhalten fest.

Obwohl Jugendliche über die Illegalität informiert sind, sehen sie Raubkopien tendenziell als Bagatelldelikt. Der grosse Teil der 470 befragten Jugendlichen lädt entsprechend Musik, Softwareprogramme und Spiele aus dem Internet herunter, ohne dafür zu bezahlen.

Die im Rahmen des Viva-Jugendbarometers erhobenen Daten zeigen laut Radiotele AG ein eindeutiges Bild: Über zwei Drittel der Jugendlichen sind darüber informiert, wie sie im Internet kostenlos downloaden können. Knapp 90% wissen, dass nach schweizerischem (und nach internationalem) Recht der Download von urheberrechtlich geschützten Songs, Software-Programmen und Spielen illegal ist. Und trotzdem verzichtet nur knapp ein Viertel der jungen Schweizerinnen und Schweizer darauf, solche Inhalte herunterzuladen. Die Mehrheit der Jugendlichen lässt sich dabei auch nicht von Klagen und Gerichtsurteilen beeinflussen.

Warum? Fast die Hälfte der Jugendlichen beurteilt den illegalen Download laut Studie «als nicht schlimmer als Schwarzfahren». Die Jungen in der Schweiz sehen Raubkopierer nicht als Verbrecher und finden im Allgemeinen, dass sämtliche im Internet publizierten Inhalte allen gehören. Und ignorieren dabei geltende Urheber- und Eigentumsrechte. Vor diesem Hintergrund wird klar, dass sich die Jugendlichen Musik, Software und Spiele illegal herunterladen. Sogar 50% derjenigen Jugendlichen, die Raubkopieren nicht für eine Bagatelle halten, tun es.

Obwohl nur ein Drittel der Befragten der Aussage «Geiz ist geil und wer bezahlt, ist selber schuld» zustimmt, besorgen sich drei von vier Jugendlichen illegal Content im Internet. Auch hier öffnet sich ein Widerspruch zwischen der Einstellung einerseits und dem Verhalten andererseits. Jugendliche finden überdies, dass die Musikindustrie und ihre Stars genug verdienen, und zeigen entsprechend wenig Skrupel beim Raubkopieren. Diejenigen Jugendlichen, die anderer Meinung sind, laden - wenn auch weniger häufig - ebenfalls kostenlos gebührenpflichtigen Content herunter. Drei von vier Jugendlichen geben allerdings an, sie würden bei tieferen Preisen von DVDs und Musik-CDs weniger aus dem Internet herunterladen und dafür mehr einkaufen.