Die beiden erfolgreichen Disney-Filmproduzenten Harvey und Bob Weinstein wollen Disney den Rücken kehren und sich selbständig machen. Der Vertrags des Erfolgsduos («Fahrenheit 9/11», «The Aviator», «Finding Neverland», «Pulp Fiction», «Shakespeare in Love» oder «Chicago») läuft im September aus. US-Branchenquellen haben am Wochenende laut der deutsche «Financial Times» bestätigt, dass Disney mit den Weinstein-Brüdern derzeit über die Konditionen einer Trennung verhandelt. Die Weinsteins, die zuletzt immer wieder im Clinch mit ihren Chefs bei Disney lagen, wollen nun ein eigenes, unabhängiges Studio aufziehen. «Wir haben bereits eine Menge Themen geklärt», zitierte die «Los Angeles Times» einen Beteiligten an den Trennungsgesprächen.
Der Abschied der Weinsteins wäre der zweite schwere Schlag für die Disney-Filmsparte seit dem Ende der Vertriebspartnerschaft mit dem Animationsstudio Pixar («Die Unglaublichen»). Weinstein-Produktionen haben viel zu den Gewinnen der Disney-Filmsparte beigetragen - 2003 lieferten sie mit 211 Mio. Dollar ein Drittel des Jahresgewinns und waren zudem noch deutlich profitabler als andere Disney-Filme. Überdies haben sie das Renommee erhöht, weil die Weinsteins jahrelang abonniert auf Oscars und andere Filmpreise waren. 1993 hatte Disney die von den Weinsteins aufgebaute Firma Miramax für 70 Mio. Dollar gekauft. Nach einer Trennung bliebe Miramax zwar bei Disney. Aber ohne die kreativen Köpfe liegt der Wert des Studios nur noch in seiner Filmrechtebibliothek.
Das Problem für Disney ist, dass die Trennung nicht nur unternehmensstrategisch gedeutet wird. Immer wieder war Harvey Weinstein persönlich mit Disney-Chef Michael Eisner aneinander geraten. Zuletzt eskalierte der Streit, als Eisner versuchte, Produktion und Verleih von Michael Moores Präsidentensatire «Fahrenheit 9/11» zu verhindern. Weinstein bezichtigte Eisner öffentlich der Feigheit. Eisner-Vertraute warfen den Weinsteins vor, sie seien nicht mehr so erfolgreich wie früher und schielten nach Oscars statt nach Kassenerfolg.
Disney hat den Weinsteins laut der «Los Angeles Times» Bonuszahlungen von über 100 Mio. Dollar als Teil der Trennungsvereinbarung zugesagt. Allerdings wird demnach noch gestritten, wer das Recht erhält, Fortsetzungsfilme zu erfolgreichen Weinstein-Produktionen herzustellen. Ausserdem geht es um begonnene Projekte, die die Weinsteins unabhängig fortführen wollen. Von Regisseuren wie Quentin Tarantino oder Anthony Minghella ist bekannt, dass sie nur mit den Weinsteins arbeiten wollen.
Montag
17.01.2005