«Stefan Wenkebach, der Inhaber der Printpark Aro in Zürich, ruiniert auch seine letzte Druckerei», schreibt Comedia auf ihrer Homepage www.comedia.ch. «Am 13. Januar verschickte er fristlose Kündigungen, verbunden mit unhaltbaren Schuldzuweisungen. Damit versucht er, seine eigenen finanziellen Probleme abzuschieben und zu kaschieren», so die Analyse der Mediengewerkschaft in einer Mitteilung vom Freitag.
Vom 14. bis 16. Dezember 2004 war die Printpark Aro AG in Zürich bestreikt worden. Anlass dazu waren die Entlassung des gewerkschaftlichen Vertrauensmannes, eine geplante massive Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und ausstehende Verpflichtungen bei den Schichtzulagen sowie bei den Beiträgen an die Sozialversicherungen gewesen. Der Streik war erfolgreich und konnte durch Vermittlung der Zürcher Stadträtin Esther Maurer mit einer Vereinbarung abgeschlossen werden, in der verbindliche Termine für die Bezahlung der ausstehenden und kommenden Lohnverpflichtungen festgelegt wurden. Bereits der erste vereinbarte Zahlungstermin wurde durch Wenkebach nicht eingehalten: «Der garantierte 13. Monatslohn war Ende Jahr und ist auch heute noch nicht überwiesen worden», so Comedia.
Der nächste Coup folgte am 29. Dezember: Stefan Wenkebach verfügte eine «vorsorgliche vorübergehende Stilllegung» des Betriebs. Ohne Grundlage behauptete er, Sabotageakte und weitere Streiks zu befürchten. In den Verhandlungen Anfang Januar 2005 über die Wiederöffnung der Betriebs, die Arbeitsbedingungen und die Einhaltung der Lohnzahlungspflichten stellte Wenkebach Forderungen: Comedia oder die Angestellten hätten die während des Streiks entstandenen Ertragsausfälle zu bezahlen, bevor er über die Einhaltung seiner Verpflichtungen verhandle ... Nach diesen gescheiterten Gesprächen herrschte Funkstille, die Printpark Aro blieb geschlossen.
Durch Vermittlung der Tamedia (Hauptauftraggeberin der Printpark Aro) wurden am 12. Januar die Verhandlungen wieder aufgenommen: über eine Weiterführung des Betriebs bis zum 30. September 2005 und eine Garantie der Lohn- und Arbeitsbedingungen. Wenkebach seinerseits konnte am 12. Januar noch nicht einmal die Auszahlung des Dezember-Lohns und des 13. Monatslohns für 2004 garantieren und lehnte grundsätzlich eine «Gleichbehandlung aller Angestellten» (insbesondere bezüglich Nachtarbeit und Nachtzuschläge) bis zum September ab. Von der Tamedia zugesicherte Garantien für eine Aufrechterhaltung des Betriebs im Gegenzug die GAV-Nachtzuschläge der Angestellten, die korrekte Lohnzahlung und den 13. Monatslohn zu sichern, sabotierte Wenkebach mit der Absicht, diese Garantiesummen für sich selbst abzuzweigen. Die Beschäftigten konnten in dieser undurchsichtigen Ausgangslage und ohne garantierte Gleichbehandlung aller eine solche Vereinbarung nicht annehmen. Nach einem kurz darauf folgenden neuen Garantieangebot der Tamedia erklärten sich die Angestellten in einer weiteren Versammlung am 13. Januar trotz vieler bestehender Unsicherheiten zur Wiederaufnahme der Arbeit bereit, sobald Wenkebach den Betrieb wieder öffnen sollte.
Doch bereits am 13. Januar verschickte Wenkebach per Post fristlose Kündigungen - wegen angeblicher «Verweigerung der Arbeit». «Diese fristlosen Entlassungen sind widerrechtlich und skandalös», so die Comedia. Sie werden von der Gewerkschaft angefochten. Comedia wird auch prüfen, wie weit ein Unternehmer, der im vergangenen Jahr vier Mal Konkurse produzierte, strafrechtlich und persönlich belangt werden kann, wenn er seinen Misserfolg auf die Beschäftigten und die öffentliche Hand abschiebt.
Sonntag
16.01.2005