Roman Schwarz, Geschäftsführer von Tele2, zeigt sich enttäuscht vom Angebot der Swisscom zur Öffnung der letzten Meile. «Swisscom diskreditiert das Parlament. Im neuen Fernmeldegesetz wurde vom Parlament explizit auf Wunsch der Swisscom der Bitstrom-Access, also die Nutzung der Swisscom-Infrastruktur, bis die Installationen für das Unbundling Local Loop getätigt sind, zeitlich beschränkt. Bei den Ausführungen zum Gesetz verweigert Swisscom jetzt uns Drittanbietern genau diese Nutzung der Infrastruktur und foutiert sich über den Parlamentsentscheid. So wird die Öffnung der letzten Meile um zwei bis drei Jahre verzögert, damit Swisscom ihre marktbeherrschende Stellung weiter ausbauen kann», schreibt er in einem Communiqué.
Besonders störend findet Schwarz zudem den Preis, den Swisscom für den vollständig entbündelten Teilnehmeranschluss verlangen will. «Es kann doch nicht sein, dass wir in der Schweiz fast doppelt soviel bezahlen müssen wie die Drittanbieter in Europa». Die Swisscom wolle, dass die Schweiz weiterhin ein Hochpreisland bleibe. Das Swisscom-Netz sei mehrheitlich vom Steuerzahler finanziert worden, und jetzt sollen die Bürgerinnen und Bürger gleich nochmals zur Kasse gebeten werden, wenn sie ihre Leistungen nicht von Swisscom beziehen. Es zeige sich einmal mehr, dass Swisscom alles unternehme, um einen fairen Wettbewerb in der Schweiz zu verhindern, kritisiert er.
Der von der Swisscom angekündigte Preis für den Teilnehmeranschluss sei «unrealistisch», findet auch Sunrise. Für die Tochter des dänischen Telekomkonzerns TDC geht es nicht an, dass die Konkurrenten mehr bezahlen als die Endkunden der Swisscom für den Hausanschluss. Swisscom habe ihre «überhöhten Preise» auch bei anderen Diensten über Jahre als gerechtfertigt bezeichnet, schreibt Sunrise. Trotzdem wolle Sunrise mit der Swisscom Verhandlungen über den Preis aufnehmen. Mit einer Einigung sei aber nur bei einer deutlichen Senkung zu rechnen.
Auch Comparis-Telekomexperte Ralf Beyeler findet den Preis von 31 Franken «relativ hoch». Zudem müssten die Swisscom-Konkurrenten noch in die eigene Infrastruktur in den Ortszentralen investieren, und diese mit einem eigenen Glasfasernetz verbinden. Dies dürfte noch eine Stange Geld kosten. In der Folge dürfte als einzige Sunrise breit in die Fläche investieren. «Der Kuchen wird nicht gross neuverteilt», sagte Beyeler. 50 bis 60 Prozent Marktanteil dürften bei der Swisscom bleiben.
Können sich die Konkurrenten mit der Swisscom nicht einigen, muss der Regulator, die Eidg. Kommunikationskommission (ComCom), über den Preis entscheiden - gestützt auf Berechnungen des Bundesamts für Kommunikation (Bakom). Ein Empfehlungsrecht hat Preisüberwacher Rudolf Strahm. Von dieser Möglichkeit werde er sicher Gebrauch machen, sagte Strahm auf Anfrage. - Siehe auch: Das soll die Entbündelung der letzten Meile kosten
Dienstag
20.03.2007