Wenn das Mikrofon länger durchhält als die Geduld: SRF-Kommentator Stefan Hofmänner liefert an den olympischen Winterspielen unfreiwillig den Kommentar zur Schlussfeier – und wird damit über Nacht zum legitimen Erben einer TV-Legende.
Eigentlich war alles gesagt. «Ciao, Rigoletto und Ihnen daheim: Adieu, miteinander.» Mit diesen Worten verabschiedete sich SRF-Reporter Stefan Hofmänner offiziell vom Publikum – und beendete damit seinen Olympia-Einsatz. Zumindest theoretisch.
Denn wer im Livestream bis zum Schluss dranblieb, hörte plötzlich nochmals Hofmänner. Und diesmal klang es weniger nach Olympiagold, dafür umso mehr nach ehrlicher Erschöpfung:
«So etwas Schreckliches, die huere Zeremonie. (…) Unkommentierbar, der Seich.»
Das Problem: Das Mikrofon war noch offen.
SRF bestätigte auf Anfrage von «Blick», dass die Aussage nach Abschluss der Schlusszeremonie gefallen sei. Im linearen TV auf SRF zwei sei davon nichts zu hören gewesen – dort lief bereits Werbung. Im Livestream hingegen lief die Übertragung wegen eines technischen Fehlers weiter. Und damit auch Hofmänner.
Die Frage, ob Kommentatoren ihr Mikrofon selber ausschalten müssen, beantwortet SRF diplomatisch nicht. Stattdessen verweist man auf den «technischen Fehler». Ein Klassiker. Und ein Türöffner zur Mediengeschichte.
Mit diesem Fauxpas ist Hofmänner in einen sehr exklusiven Kreis aufgenommen worden – jenen der Kommentatoren, die nach dem offiziellen Ende zur Hochform auflaufen. Der unangefochtene Patron dieses Genres heisst: Hans Jucker.
Jucker, die Allzweckwaffe des Schweizer Fernsehens aus dem Säuliamt, wurde zur Legende, weil er dachte, niemand höre mehr zu. Und genau dann sagte, was er wirklich dachte.
«Dummi huere Ruederer.»
«Schiiss-Ponys.»
Oder beim CSI: «Du Pesche, ich weiss nöd, wie lang mer no Ziit händ.»
Sätze, die nie für die Öffentlichkeit bestimmt waren – und gerade deshalb unsterblich wurden. Als Jucker vom Schweizer Fernsehen 2005 zu seinem 40-jährigen Dienstjubiläum ein Best-of seiner Sprüche zeigte, war klar: Hier spricht einer, der den Sport liebt – und das Drumherum über sich ergehen lässt.
Genau hier schliesst sich der Kreis zu Hofmänner. Die Schlussfeier der Winterspiele – lang, überladen, pathetisch – brachte offenbar auch ihn an den Rand der Kommentatorenfassung. Und so wurde aus der professionellen Verabschiedung ein ungewolltes Fazit.
Nicht geplant. Nicht abgesprochen. Aber ehrlich – so wie einst Hans Jucker.



