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Mittwoch
10.05.2006

Seit 20 Jahren ist Marco Färber (59) Chefredaktor von Schweizer Radio DRS, im Herbst geht er - freiwillig - frühzeitig in Pension. Am Mittwoch Mittag war er Gast bei Roland Jeanneret im journitalk, einem monatlich von verschiedenen Berner Kommunikationsvereinigungen durchgeführten Infoanlass. Der Bündner Färber absolvierte nach seinem Studium in Wirtschaftswissenschaften einen Stage beim «Echo der Zeit» und blieb sodann beim Radio hängen. Redaktor, Moderator, Bundeshauskorrespondent, Ressort- und Abteilungsleiter und letztendlich Chefredaktor hiessen die Stationen, die er bei Radio DRS bekleidete.

Im lockeren Gespräch liess er sich entlocken, dass für ihn DRS kein Staatsradio sei und es auch nie Einmischungsversuche oder Interventionen seitens eines Bundesrates oder einer anderen staatlichen Instanz gegeben habe. Ein ganz besonderes Highlight aus den 20 Jahren Radioschaffen könne er nicht definieren, da komme vieles zusammen, das in irgendeiner Form etwas Spezielles sei - eine Begegnung, ein Gespräch, ein Interview, eine Reaktion. Verschoben habe sich aber die Art, wie man mit einem Thema umgeht. Habe man sich Anfang der Neunziger mit dem Themenkreis Armee noch äusserst schwer getan, gehe man heute ganz locker damit um. Im Zeitalter der Emotionalisierung und Personifizierung von fast allem gehe es immer mehr darum, die relevanten Fragen herauszuschälen. Auch bei Doris Leuthard komme über kurz oder lang der Zeitpunkt, wo die Öffentlichkeit beginne, sich für mehr als «Beziehung, Ferienziel und Frisur» zu interessieren.

Kein Problem hat Färber mit dem Radiosponsoring, aber nur dann, wenn es nicht «allzu werblich» daher komme. Er wisse auch, dass es ein Privileg sei, primär von Konzessionsgeldern zu leben. Aber auch so müsse sich Radio DRS nach den Gegebenheiten des Marktes orientieren, denn der Sender solle ja «Service public» und nicht «Service sans public» generieren. Gut kämen die neuen Morgeninfo-Sendungen an; entgegen dem Trend habe man da die Sendezeit ausgebaut und nicht auf Kurzfutter gesetzt. Noch habe man keine fixe Auswertung, aber die Tendenz sei positiv. Umso mehr sich die radiophonen Info-Pikes mehr und mehr vom Mittag hin in Richtung Morgenstunden verlagerten. Am Schluss des Gesprächs liess sich Färber noch entlocken, dass Radio DRS im Laufe des Jahres ein Konzessionsgesuch für einen DRS-Infokanal einreichen will. Auf die Frage, was er denn nach seinem Rückzug aus der Radiowelt zu tun gedenke, antwortete Färber in die Runde «Erst einmal einen Strich ziehen und Herr des eigenen Fahrplans werden». Möge es ihm gelingen…