Der Schriftsteller, Übersetzer und Journalist Marcel Schwander wird am 30. Dezember 75 Jahre alt. Er wuchs im glarnerischen Netstal auf und übersetzte schon als Bub für die Nachbarschaft das «Kauderwelsch» seines französischsprachigen Vaters. Nach dem Lehrerseminar in Hofwil BE studierte er in Bern und Paris. 1958 wurde Schwander Chefredaktor der sozialdemokratischen «Seeländer Volkszeitung». Im Herbst 1968 zog er mit seiner Familie von Biel nach Lausanne, um die neu geschaffene Korrespondentenstelle des «Tages-Anzeigers» anzutreten. Mit seinen Reportagen liess sich zeitunglesend die Romandie erkunden. Nebst hunderten von Artikeln publizierte Schwander auch zahlreiche Bücher über die Westschweizer und ihr mitunter verknorztes Verhältnis zu den Alémaniques. Als einer der wenigen Journalisten recherchierte er zudem den Jura-Konflikt vor Ort.
Ab 1974 übersetzte er Autorinnen und Autoren wie Jacques Chessex, Corinna Bille, Alice Rivaz und Georges Haldas. Dabei fühlte er sich wie «Alice im Wunderland», die «durch den Spiegel geht, dabei sich selber und die andere Welt sieht», sagt Marcel Schwander im Gespräch. Literatur lasse sich nicht mit dem Dictionnaire übersetzen. «Man muss mit seinen eigenen Mitteln etwas Neues aufbauen.» Manchmal habe er das Gefühl gehabt, den Eiffelturm aus Holz oder Sandstein errichten zu müssen. «So verschieden ist das Baumaterial der Sprachen.» Sein Schaffen als «Brückenbauer» wurde 1999 mit dem Grossen Preis der Oertli-Stiftung ausgezeichnet.
Vor kurzem zog Marcel Schwander in ein neu erbautes «Stöckli» auf das Anwesen seines Sohns in Pully. Seit einem Hirnschlag im Sommer 2003 fällt ihm das Sprechen schwer. Seine Wortgewalt, den immer wieder aufblitzenden Schalk und die Leidenschaft fürs Schreiben hat er jedoch nicht eingebüsst.
Montag
27.12.2004