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Freitag
30.01.2026

TV / Radio

Erhitzt die Gemüter gewaltig: SRF-Doku «Wo-wo-Wohnungsnot – Das Zürcher Monopoly»...   (Bild: SRF-Screenshot/Doku)

Erhitzt die Gemüter gewaltig: SRF-Doku «Wo-wo-Wohnungsnot – Das Zürcher Monopoly»... (Bild: SRF-Screenshot/Doku)

Die Kritik an der umstrittenen SRF-Dokumentation zur Zürcher Wohnungsnot «Wo-wo-Wohnungsnot – Das Zürcher Monopoly», ausgestrahlt am 22. Januar, erhält prominente Verstärkung – und politisches Gewicht.

Filippo Leutenegger, ehemaliger SRF-Chefredaktor und heutiger Zürcher Stadtrat sowie FDP-Kantonalpräsident, geht in der «Neuen Zürcher Zeitung» vom Freitag ungewöhnlich scharf mit seinem früheren Arbeitgeber ins Gericht.

Der Film verletze die publizistischen Leitlinien grob, sagt Leutenegger. Die Sendung gleiche einer «Klassenkampf-Reportage», bürgerliche Stimmen seien marginalisiert, linke Aktivisten hofiert worden.

Leuteneggers Forderung: SRF müsse den Film aus dem Online-Angebot entfernen.

In der SRF-Dokumentation kommen betroffene Mieterinnen und Mieter vor. Als Expertenstimmen walten eine Assistenzprofessorin von der Universität Lausanne und ein Immobilienfachmann. Ausserdem äussern sich mehrere linke Politiker: Die SP-Nationalrätin Jacqueline Badran wird bei einer Wohndemo zu den Sugus-Häusern gezeigt. Der AL-Stadtparlamentarier David Garcia Nuñez ist ein Protagonist der Reportage.

Die SP-Stadtparlamentarier Florian Utz und Marco Denoth werden in der SRF-Dokumentation bei einer Debatte im Stadtparlament gezeigt. Auffällig ist, wie wenig präsent die bürgerliche Seite ist, führt die NZZ aus.

Dies moniert auch Leutenegger. Seine Intervention ist gleich doppelt brisant. Zum einen stellt sich der frühere SRF-Anchorman der «Arena» öffentlich gegen den Sender, dessen journalistische Abläufe und Kontrollmechanismen er aus eigener Erfahrung gut kennt.

Zum anderen sendet er ein kaum zu überhörendes Signal in Richtung FDP – just vor der nationalen Delegiertenversammlung in Genf, an der die Partei am Samstag ihre Parolen unter anderem zur SRG-Begrenzungsinitiative fasst.

Die SRF-Dok «Wo-wo-Wohnungsnot – Das Zürcher Monopoly» führte bereits zu Interventionen. «Es sind bei uns bisher 2 Beanstandungen eingegangen», sagte Esther Girsberger, Co-Leiterin der Ombudsstelle SRG D, auf Anfrage des Klein Reports am Freitagnachmittag. «Die Beanstandung der FDP ist bei uns noch nicht eingegangen», sagte Girsberger weiter.

Dass Filippo Leutenegger seine Kritik bereits am Donnerstagabend am Rande eines Anlasses im Zürcher Dolder Grand in einer zufällig zusammengekommenen Journalistenrunde äusserte, unterstreicht die politische Bedeutung.

In der FDP ist die Haltung zur Initiative umstritten. Auf Anfrage des Klein Reports wurde Filippo Leutenegger am Freitagnachmittag persönlich: «Ich bin enttäuscht, dass SRF in einer so heiklen Situation - einerseits vor der Abstimmung zur Begrenzungsabstimmung am 8. März, anderseits vor der kantonalen Wohnschutz-Initiative, die am 14. Juni zur Abstimmung kommt – einen solchen Film ausstrahlt. Diese unausgewogene Dokumentation hat mich wirklich enttäuscht. Ich trage als ehemaliger Chefredaktor SRF noch immer in meinem Herzen. Auch deshalb konnte ich es fast nicht glauben, was da gesendet wurde.»

Während mehrere Kantonalparteien – teils äusserst knapp – zur Begrenzungsinitiative die Nein-Parole beschlossen haben, trommeln die Jungfreisinnigen und einzelne Exponenten offen für eine Annahme.

Beobachter rechnen mit einem äusserst knappen Entscheid der Delegierten.

Die FDP-Haltung könnte entscheiden. Eine zustimmende oder ablehnende Parole am Samstag in Genf hätte Signalwirkung weit über die Partei hinaus.

Leuteneggers Vorwurf, SRF liefere mit einseitiger Berichterstattung selber Munition für die Gegner des Service public, fällt deshalb in einer heiklen Phase.

Gegenüber der «Neuen Zürcher Zeitung» weist SRF die Kritik zurück und betont die Ausgewogenheit der Dokumentation.

Politisch aber ist die Debatte längst entfacht – und dürfte die Diskussionen in Genf zusätzlich anheizen – und die Nervosität am Zürcher Leutschenbach zusätzlich steigern.