Mit einer sehr eigenartigen Kolumne hat die «Weltwoche» nach Ansicht des Schweizer Presserats die Intimsphäre einer Frau verletzt und ihre Beschwerde gutgeheissen. In dem Text unter dem Titel «Im Bann der Nippelgöttin» hatte der Schriftsteller Gion Mathias Cavelty eine Lesung beschrieben. Dabei konzentrierte er sich auf dem Umstand, dass sich bei dieser Frau die Nippel «mit zunehmender Deutlichkeit» unter dem Pullover abgezeichnet haben sollen, was er dahingehend interpretierte, das vorgetragene Werk habe «es ihr sichtlich angetan». Die derart beschriebene und erkennbare Frau wehrte sich gegen die «pornografisierende Darstellung» und verlangte vom Presserat, die Kolumne «als sexistischen Akt zu werten».
Der Presserat beurteilte allerdings «die Veröffentlichung der subjektiven Männerfantasie des Kolumnisten nicht als berufsethisch zu rügende Herabwürdigung des weiblichen Geschlechts.» Hingegen bezeichnete er es in der am Freitag veröffentlichten Stellungnahme als «problematisch, das angebliche Anschwellen der Brustwarzen einer zwar nicht namentlich genannten, jedoch ohne weiteres identifizierbaren Frau während eines öffentlichen Anlasses in einem Medienbericht zu beschreiben.» Der Betroffenen werde damit «ein äusseres Zeichen sexueller Erregung unterstellt und damit in ihre Intimsphäre eingegriffen», heisst es weiter. Dies sei «nur unter restriktiven Voraussetzungen zulässig», was im vorliegenden Fall «nicht ersichtlich» sei. - Die Stellungnahme des Presserats im Wortlaut: http://www.presserat.ch/22830.htm
Freitag
23.03.2007