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Mittwoch
28.01.2026

Medien / Publizistik

Weil das Verteidigungsdepartement (VBS) externe Juristen engagierte, um gegen Medienanfragen vorzugehen, ist es mit dem «Goldenen Bremsklotz» geehrt worden.

Verantwortlich für die Kür des Gewinners des Schmähpreises sind die Mitglieder von investigativ.ch. Sie haben das VBS zum «Informationsverhinderer des Jahres 2025» auserkoren.

Das Departement, bei dem im April 2025 Bundesrat Martin Pfister die Nachfolge von Viola Amherd übernahm, sorgte im vergangenen Jahr gleich mit verschiedenen Aktionen für Wirbel in der Medienbranche.

So hatte das VBS innerhalb von zwei Jahren 175'000 Franken Steuergelder für externe Rechtsberatung ausgegeben. Dies mit dem Ziel, sich gegen Auskunftsbegehren von Medienschaffenden zu wappnen, die sich auf das Öffentlichkeitsgesetz beriefen.

Anstatt die verlangten Unterlagen offenzulegen, engagierte das Departement eine Zürcher Kanzlei, um juristisch gegen die Veröffentlichung zu argumentieren.

«Dies zeigt, dass der Schritt von Geheimhaltung zu Transparenz noch nicht geschehen ist», sagt Anielle Peterhans, Vorstandsmitglied von investigativ.ch und Journalistin beim Recherchedesk von Tamedia.

«Gesuche mittels Öffentlichkeitsgesetzes sollen Transparenz fördern – doch offenbar empfand das VBS dies als Angriff und versuchte sie zu blockieren, statt nach einem möglichen Weg zu suchen, um zumindest gewisse Informationen transparent machen zu können», so Peterhans.

Ebenfalls kritisiert wird von Journalistinnen und Journalisten ein zunehmend problematischer Umgang mit der Kommunikation: Das VBS veröffentlicht auf seiner Website laut investigativ.ch «Richtigstellungen» zu kritischen Artikeln, die jedoch keine sind, sondern Verteidigungsschriften in eigener Sache.

«Selbst wenn Fakten nachweislich falsch dargestellt werden, löscht das Departement entsprechende Passagen oder weigert sich, Fehler einzuräumen – wie im Fall der angeblichen Fixpreise für den Kampfjet F-35», schreibt das 2010 gegründete Recherche-Netzwerk weiter.

VBS-Kommunikationschef Renato Kalbermatten hat den «Goldenen Bremsklotz» entgegengenommen. Bei sensitiven Themen wie dem F-35 habe man eine gute Lösung mit den Vertragspartnern suchen müssen: «Aus diesem Grund konnten wir die Informationen nicht einfach so öffentlich machen, wie das vielleicht die Medien gerne gehabt hätten.»

Doch Kalbermatten sieht den Preis auch als Ansporn: «Selbstverständlich müssen wir uns immer verbessern und hinterfragen – und das machen wir auch.»

Auch dieses Jahr hatte der Vorstand von investigativ.ch aus zahlreichen Vorschlägen vier Spitzenkandidaten ausgewählt. Auf die Shortlist geschafft haben es neben dem VBS auch der Verpackungskonzern Amcor, das Heilmittelinstitut Swissmedic und der Unternehmer Stéphane Barbier-Mueller.

Bisher erhalten haben die Auszeichnung unter anderem der damalige FDP-Präsident Thierry Burkart und der damalige Ständerat Alex Kuprecht (2024), die Finanzministerin Karin Keller-Sutter (2023), die damalige Direktorin des Bundesamts für Gesundheit Anne Lévy (2022), der Industrielle Jørgen Bodum (2019), die damalige Nationalratspräsidentin Christa Markwalder (2016), das Bundesamt für Landwirtschaft (2014) und viele mehr.