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Donnerstag
05.04.2007

Der Chefredaktor der indonesischen Ausgabe des «Playboy» muss nicht wegen der Veröffentlichung «unzüchtigen» Materials ins Gefängnis. Ein Gericht in Jakarta hat den 42-jährigen Erwin Arnada am Donnerstag von diesem Vorwurf freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn beschuldigt, «die Gesellschaft in Verwirrung gebracht» und der «Moral des Landes geschadet» zu haben, und bis zu zwei Jahre Haft gefordert. Das Gericht lehnte die Anklage aus formaljuristischen Gründen ab. Die Richter argumentierten, dass die Anklageschrift nicht korrekt formuliert sei. In ihr fehle der notwendige Bezug zum Presserecht.

Arnada hatte sich im Prozess unter anderem mit dem Hinweis verteidigt, dass im indonesischen «Playboy» - im Gegensatz zu Ausgaben in anderen Ländern - keine Fotos nackter Frauen gezeigt werden. Abgebildet sind hingegen Frauen mit nackten Beinen und tiefen Dekolletées. Im grössten muslimischen Land der Welt gibt es Männermagazine, die freizügiger sind als der «Playboy».

Etwa 100 militante Muslime demonstrierten vor dem Gerichtsgebäude. Sie kündigten Selbstjustiz an, falls Arnada nicht verurteilt werde. Hunderte Polizisten und Wasserwerfer waren im Einsatz, um Übergriffe zu verhindern. Die islamistische Vereinigung Front der Islamischen Verteidiger hatte einen «Krieg» für den Fall eines Freispruchs für Arnada angedroht. Das Magazin war schon vor Beginn des Prozesses gegen Arnada zur Zielscheibe wütender Proteste geworden. Darum verlegte die Redaktion ihren Sitz von Jakarta auf die mehrheitlich hinduistische Insel Bali, nachdem Kritiker das Redaktionsgebäude in der Hauptstadt angegriffen hatten. - Mehr dazu: Chefredaktor des indonesischen «Playboy» droht Gefängnis und «Playboy»-Chefredaktor in Indonesien vor Gericht