«Ich bin sehr zufrieden. Ingrid Deltenre macht einen guten Job. Ich war überrascht, wie rasch sie in diesem nicht ganz einfachen Unternehmen Tritt gefasst und das Vertrauen der Mitarbeiter gewonnen hat», lobt SRG-Generaldirektor Armin Walpen im Interview der «SonntagsZeitung» nicht unerwartet Fernseh-Chefin Ingrid Deltenre. «Ich habe seinen Weggang weder gefordert noch veranlasst», erklärt Walpen zum Abgang von «10 vor 10»-Chef Klaus Vieli. Beim Programm hat Walpen erkannt, dass man ein Problem bei den Jungen und der eigenproduzierten Unterhaltung hat: «Ingrid Deltenre führt neue Formate ein, damit setzt sie den Hebel am richtigen Ort an. Wir wollen die ältere Generation behalten, müssen aber stärker bei den Jüngeren werden. Service public heisst nicht nur Nachrichten und Kultur, der Gebührenzahler hat auch Anspruch aufs Sahlenweidli.»
Zu den stetig wachsenden Zusatzeinkünften wie Sponsoring und Televoting meint Walpen: «Sponsoring muss legal und transparent sein, darf die Zuschauer nicht signifikant stören und muss zur Sendung passen. Diese Bedingungen sind beim Sahlenweidli gegeben. Zusatzfinanzierungen wie etwa Televoting entlasten potenziell den Gebührenzahlenden und sind deshalb positiv zu werten.» Trotzdem macht sich Walpen bereits wieder sehr aktiv Gedanken zur nächsten Gebührenerhöhung. Auf die Frage der «SonntagsZeitung» nach dem Antrag auf Gebührenerhöhung im Sommer 2005 beim Bundesrat antwortet Walpen: «Das kann ich nicht ausschliessen. Erhöhungen müssen aber sehr gut überlegt sein und sind nur gerechtfertigt, wenn andere Mittel wie Produktionssteigerungen ausgeschöpft sind. Die letzte effektive Erhöhung fand im Januar 2000 statt. Es kommt der Zeitpunkt, wo wir eine Erhöhung werden verlangen müssen.»
Die neue digitale Technologie, welche das Ausblenden von Werbung ermöglicht, ist für Walpen durchaus ein Thema. «Mit dem Personal Video Recorder kann der Zuschauer Werbung überspringen. PVR wird in den USA stark genutzt. Der TV-Spot ist damit in Frage gestellt. Zum Glück lebt die SRG nur zu 20% von Werbung.» Aus diesem Grund überlegt sich die Publisuisse zurzeit, welche Werbeformen der Zukunft für die SRG in Frage kommen. Neue Einnahmen erhofft sich Walpen aus dem Verkauf von Sendungen an Dritte wie Swisscom, Orange, Cablecom oder Sunrise. «Es ist möglich, aus bestehenden SRG-Inhalten neue zu konfektionieren oder je nach Bedürfnis dieser Kunden neue Inhalte herzustellen. Hier möchten wir Geld verdienen, wenn auch in bescheidenem Rahmen.» Walpen rechnet dabei mit zusätzlichen Einnahmen zwischen einer und 10 Millionen Franken.
Sonntag
19.12.2004