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Montag
27.12.2004

Der italienische Versorger Enel will eigenen Angaben zufolge aus steuerlichen Gründen das gescheiterte UMTS-Gemeinschaftsunternehmen IPSE übernehmen. Dadurch soll die Telecom-Tochter Wind weiter für einen Börsengang vorbereitet werden, meldete die deutsche Ausgabe der «Financial Times» am Wochenende. Obgleich IPSE bis zu 792 Mio. Euro kosten werde, verbleibe aus diesem Geschäft für Enel durch den Steuervorteil ein Nettogewinn von rund 200 Mio. Euro, teilte der staatlich kontrollierte Konzern am Wochenende mit. IPSE war ein Joint Venture unter Führung des spanischen Mobilfunkanbieters Telefonica Moviles, der im Jahr 2000 für die UMTS-Lizenzen in Italien umgerechnet knapp 2,4 Mrd. Euro bezahlt hatte. Zwei der IPSE-Frequenzen wolle Enel verkaufen und die übrige Frequenz an die Tochter Wind vermieten, dem zweitgrössten Festnetz- und drittgrössten Mobilfunkbetreiber Italiens. «Abgesehen vom finanziellen Aspekt ist der Erwerb dieser Frequenz von bedeutendem strategischem Wert für Wind», sagte der Vorsitzende des Enel-Direktoriums, Piero Gnudi.

Gnudi äusserte sich nicht dazu, wer die übrigen beiden Frequenzen erhalten solle. In Branchenkreisen war jedoch spekuliert worden, dass vermutlich der italienische Mobilfunk-Betreiber TIM und der weltweite Branchenprimus Vodafone die Käufer sein könnten. Enel strebt seit längerem einen Verkauf von Wind an. Das Direktorium habe am Freitag Enel-Chef Paolo Scaroni die Genehmigung erteilt, Wind innerhalb von 20 Monaten an die Börse zu bringen, hiess es in den Kreisen weiter. Die Berater für den Börsengang sollten im Frühjahr ausgewählt werden. Erst vor wenigen Tagen hatte der Konzern erklärt, dass die Wind-Anteile, die nach Schätzungen von Enel einen Wert von rund 13 Mrd. Euro repräsentieren, in mehreren Teilen zur Zeichnung angeboten werden könnten.