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Sonntag
01.04.2007

Die Deutschen stehen Kopf wegen Knut, des Berliner Eisbär-Babys, das mit der Flasche aufgezogen worden ist, weil seine Mutter nichts von ihm wissen wollte. Doch nicht nur der Zoo an der Spree verzeichnet Rekordeinnahmen wegen «Knuddel-Knut», mit dem Effekt, dass die an der Berliner Börse notierte Zoo-Aktie innerhalb der vergangenen Woche um 16,5 Prozent auf 2400 Euro gestiegen ist. Bereits hat ein Süsswarenhersteller Schleckzeug im Knut-Look lanciert, es gibt Plüsch-Knuts zuhauf, eine Knut-EC-Karte, die Zeitschrift «Vainity Fair» setzte das Jungtier auf die Titelseite, und jetzt hat es sogar eine tägliche Sendung im ARD-Vorabendprogramm. «Als Marke ist Eisbär Knut Millionen wert», titelte deshalb die Tageszeitung «Die Welt» am Samstag einen Beitrag über den Marktwert von Knut.

Deswegen möchte der Zoo seinen besten Bären gern als Lizenzmarke an Unternehmen verkaufen. «Knut ist als Merchandising-Figur und Werbeträger mehrere Millionen Euro wert», schätzt Bernd Michael, Markenexperte der Werbeagentur Grey. Der Zoo müsse sich aber beeilen. «Wenn Knut gross ist, wird er unsexy.» Anderer Meinung ist Björn Sander, Markenexperte der Unternehmensberatung BBDO Consulting. «Im Moment ist Knut ein kurzfristiger Hype, bei einem professionellen Markenmanagement kann er auch längerfristig erfolgreich sein.» Den potenziellen Marktwert beziffert Sander auf 7 bis 13 Millionen Euro.

Eine kleine Scheibe vom Knut-Rummel wollte sich am Sonntag auch die «NZZ am Sonntag» abschneiden. «Knut geht auf Europatour», teilte die Zeitung ihren Leserinnen und Lesern mit und kündete den Besuch des weissen Fellknäuels gleichentags auf der Sechseläutenwiese an. «Politiker versprechen sich von der Tour Impulse für den Klimaschutz», erteilte die «NZZ am Sonntag» Stadtpräsident Elmar Ledergerber einen kleinen Seitenhieb für einen angeblichen «Blitzentscheid». Aprilscherze eignen sich eben auch für solche «Freundlichkeiten».