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Dienstag
11.01.2005

Verlagsleiter, Chefredaktoren und Anzeigenverkäufer haben sich am Rande der Dreikönigstagung am Dienstag - angesprochen auf die Entwicklungschancen 2005 - verhalten optimistisch gezeigt. Erwartet werden gleichbleibende Umsätze wie 2004. Einige Mediafachleute rechnen gar damit, dass der Rubrikenmarkt wieder bessere Zahlen schreiben wird. Steht eine Print-Renaissance dieses zum grossen Teil ins Internet abgewanderten Anzeigenbereichs bevor?

Dr. Maili Wolf, Verlagsleiterin «Tages-Anzeiger», Zürich: «Die Werbevolumina werden nicht extrem steigen. Hingegen wird das Anzeigenvolumen bei den Stellen wachsen. Die Luxusgüter liefen bereits letztes Jahr nicht schlecht und zwar sowohl hinsichtlich des Umsatzes als auch bezüglich des Ertrags. Es zeichnen sich also leichte Lichtblicke ab, auch für die Tagespresse, vor allem für den Metropool. Für den Tagi haben wir Anzeichen, dass wir im letzten Jahr gewisse Dinge richtig gemacht, also die strategischen Weichen gesetzt und die internen Abläufe so organisiert haben, dass wir schnell und flexibel auf Kundenbedürfnisse eingehen können. Und mit dem Metropool haben wir die Preisdiskussion angeschoben.»

Otto Meier, Generaldirektor Publicitas, Lausanne: «Wir gehen wir davon aus, dass 2005 nicht wesentlich besser sein wird als 2004. In gewissen Segmenten erwarten wir eine leichte Verbesserung, aber eine generelle Erholung erwarten wir nicht. In den Rubriken, bei den Stelleninseraten und bei den Immobilien-Anzeigen sehen wir positive Entwicklungen. Auch die neue Konkurrenz unter den Grossverteilern wird zu einer gewissen Belebung führen. Bei der Markenpflege hingegen glauben wir nicht an eine Belebung. Bezüglich der Branchenstrukturen gehen wir für 2005 nicht von eigentlichen Umwälzungen wie etwa völlig neuen Kooperationen aus.»

Dr. Christian Müller, Unternehmensleiter Vogt-Schild/Habegger Medien AG, Solothurn: «2005 wird mit Sicherheit nicht schlechter als 2004, aber einen signifikanten Aufschwung wirds auch nicht geben. Das Volumen der Stelleninserate wird zunehmen, bei den kommerziellen Anzeigen hingegen wird sich nicht wahnsinnig viel bewegen. Alles in allem aber wird eine kleine Verbesserung resultieren.»

Peter Hartmeier, Chefredaktor «Tages-Anzeiger»: «Die Printbranche darf eine Stabilisierung bei den Leserzahlen und beim Inserateaufkommen erwarten. Die letzten Tage haben zudem gezeigt, dass das Publikum gerne interessante Zeitungen liest. Der Tagi wird mit seinem ersten Splitt, jenem für die Pfnüselküste, seine Marktbasis im Millionen-Zürich verbreitern; ich hoffe fest, dass ihm bald einige andere Splitts folgen werden...»

Emil Mahnig, Chefredaktor «Zeitlupe», Zürich: «Für Print generell erwarte ich nicht den grossen Wachstumsschub. Für unseren eigenen Titel bin ich sehr zufrieden. Wir haben die Zahl der Leserinnen und Leser 2003 und 2004 um 6 beziehungsweise 8% steigern könne. Und das Inseratevolumen hat sich innerhalb von zweieinhalb Jahr auf fast eine Million verdoppelt. Diese beiden Entwicklungen werden, wie es im Moment aussieht, anhalten.»

Bruno Blaser, Verlagsdirektor «Blick» und «SonntagsBlick», Zürich: «Wenn ich die ersten Trends anschaue, so gehe ich für `Blick` und `SonntagsBlick` für 2005 von einer gleichen Entwicklung aus wie 2004: Es wird also kaum zu Höhenflügen kommen, aber sicher gibts auch keinen Grund zum Pessimismus; so gesehen gehen wir vom gleichen Volumen aus. Die Branche insgesamt wird wahrscheinlich im ersten Halbjahr genau verfolgen, was im Metropool effektiv passiert, und versuchen, Gegenmassnahmen zu treffen. Im Lesermarkt wird der Druck der Gratisinformationen auf den ganzen Printbereich klar anhalten.»

Kurt Lipp, Verlagsleiter «Zofinger Tagblatt», Zofingen: «Unsere `Tierwelt` verzeichnet inseratemässig ein erfreuliches Wachstum, und ich erwarte das für die ganze Printbranche. Das `Zofinger Tagblatt` bewegt sich zwar in einem schwierigen Umfeld, aber ich bin auch da zuversichtlich. Unsere Chance als Unternehmen liegt einerseits im Printbereich, an den ich fest glaube, anderseits aber auch im crossmedialen Bereich, wie er heute an dieser Tagung dargestellt worden ist; unser Unternehmen hat ja genau dafür eine Tochterfirma, die ZT-Online. Sie bietet Produkte an, die den crossmedialen Gedanken 1:1 verwirklichen.»

Karl Angst, Anzeigenleiter «Neue Luzerner Zeitung», stv. Direktor Publicitas, Luzern: «Bei verhaltenem Optimismus und einem Ansatz von realistischem Pessimismus werden wir bei 100,001% des Jahres 2004 landen. Im Ernst: das Anzeigenwachstum wird sich in Grenzen halten, wenn wir von denRegionalzeitungen reden. Verschiebungen sind denkbar auf Grund des Ausbaus der Distribution von `20 Minuten`. In den Rubriken hingegen ist eine kleine Renaissance denkbar, ebenso bei den Stellenanzeigen. Im Immobilienbereich hat dies bereits begonnen. Dieses Wachstum wird sich fortsetzen.»

René Hildbrand, Chefredaktor «TR 7», Zürich: «Ich bin optimistisch, dass 2005 ein gutes Jahr wird, es sind klare Anzeichen dafür vorhanden, dass der Anzeigenmarkt anzieht. `TR 7` legt seit 2 Jahren laufend zu, lag im November und Dezember 2004 sogar 6% über dem Budget. Vieles hängt natürlich von der Weltlage ab, aber die Grundstimmung ist gut. Spannend wird sicher, wie sich der Kampf unter den Detailhändlern inseratemässig auswirken wird. Migros und Coop werden ihre Budgets deswegen sicher erhöhen müssen. Bei den Stellenanzeigen hat das Inseratewachstum bereits eingesetzt: Das `Alpha` im `Tages-Anzeiger` vom letzten Samstag kam so dick daher wie zu den besten Zeiten.»

Roland Oetterli, Verlagsleiter Jean Frey AG, Zürich: «Ich erwarte für die gesamte Branche eine ähnliche Entwicklung wie 2004, ein Wachstum also, das im Promillebereich liegt. Dies gilt ganz bestimmt auch für Innovationen wie integrierte Kommunikation, Internet, Multimedia und Ähnliches. Für die Jean Frey AG sind wir sehr zuversichtlich, erstens effektives Wachstum zu erzeugen und zweitens Marktanteile zu gewinnen.»

Charles von Graffenried, VR-Präsident Espace Media Groupe: «Ich hoffe, dass wir im Inseratemarkt langsam wieder etwas bessere Erträge haben werden. Illusionen mache ich mir aber keine. Zu diesem Schluss komme ich auf Grund einer Beurteilung der Gesamtlage: Nach 4 Jahren Rezession haben wir wieder Boden unter den Füssen. Das gilt auch für das Berner Modell: Ich freue mich, dass das klappt; es gab ja viele Skeptiker. Wir wussten auch nicht, wie die Werbewirtschaft darauf reagieren würde. Ich bin überzeugt, dass sich dieses Modell jetzt gut weiterentwickelt. Für mich dürften sich `Bund` und BZ allerdings noch etwas stärker voneinander unterscheiden.»