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Dienstag
11.01.2005

Ein wahres Feuerwerk an schönen Geschichten aus der Zukunft der digitalen elektronischen Medien liessen Swisscom-CEO Jens Alder und Cablecom-Chef Rudolf Fischer an der Dreikönigstagung des Verbandes Schweizer Presse steigen. «Die Zukunft ist drahtlos und breitbandig», sagte etwa Alder wörtlich, und Fischer gab noch einen drauf, indem er anfügte, die künftigen Technologien würden individuell zusammenstellbare Medien-Programme ermöglichen. Alder vergass bei dieser Gelegenheit nicht, sein Ceterum Censeo über den freien Markt vorzubringen, der für völlig neue Inhalte zu günstigen Preisen führen werde: Radio und Fernsehen, Internet sowie Telefonie würden immer mehr jederzeit und überall verfügbar sein, im Büro, zu Hause, auf der Bergtour oder im Taxi in New York. Laut Fischer soll dies irgendwann einmal auch für dreidimensionales Fernsehen, Geruchs-TV und ähnliche futuristische Angebote gelten.

Die etwas näher liegende Wirklichkeit ist allerdings von einem harten Konkurrenzkampf geprägt, in dem sich der traditionelle Fernseh-Signal-Verteiler, der auch Telefonie anbietet, und der bisherige Telefonie-Provider, der auch Fernsehen ins Angebot aufnehmen will, gegenüber stehen. So spöttelte Fischer über Alder, dieser habe «Fernsehträume», worauf Alder zurückgab, er habe eher den Eindruck, er sei «Fischers Albtraum.» Während Fischer stolz von bereits über 100 000 Cablecom-Telefonie-Kunden berichtete, räumte Alder ein, es werde noch schwierig sein, die technischen Probleme zu lösen, um das Telefonnetz TV-tauglich zu machen. «Wir wissen, dass es funktionieren kann und glauben daran, aber es ist technisch eine enorme Herausforderung», betonte Alder. Mit dem «Bluewin-TV-Angebot» wolle er die Konsumenten «aus dem Cablecom-Tiefschlaf wecken.»

Inwiefern diese «schöne neue Welt der vielen bunten Bilder, Töne und Daten» etwas mit den vorherrschend im Saal sitzenden Printmedien-Verlegern zu tun hat, wollte Gesprächsleiter Ralph Büchi («HandelsZeitung») schliesslich wissen, und prompt kamen aufmunternde Worte vom Podium. «Ich weiss es nicht, kann mir aber vorstellen, dass das generelle Wachstum beim Content auch zu einem Wachstum in den anderen Medien führen kann», sagte etwa Jens Alder. Und Rudolf Fischer erwähnte in diesem Zusammenhang die in den digitalen Medien mögliche Ausblendung der Werbung als Chance für die Printmedien, genau in diese Lücke zu springen.