Von angespannter Höflichkeit geprägt war an der Dreikönigstagung des Verbands Schweizer Presse ein von Medieninstituts-Leiter Karl Lüönd geleitetes Podiumsgespräch über den Deal zwischen der PubliGroupe («P») und der «Neuen Zürcher Zeitung» vom Sommer 2004. Zwar sass neben «P»-CEO Hans-Peter Rohner und NZZ-Regionalzeitungs-Chef Beat Lauber auch Tamedia-VR-Präsident Hans Heinrich Coninx in der Runde, aber sie alle vermieden es, die Faust der Konfrontation aus dem Sack zu nehmen. Die «P» wolle kein Verleger sein, und ihre zahlreichen Beteiligungen an Regional- und Lokalzeitungen seien nichts als Partnerschaften, um diesen Blättern zu helfen, versicherte Rohner wiederholt. Und auch NZZ-Gruppenleitungs-Mitglied Lauber sang das Hohelied der Kooperationen: «Wir wollen keinen kontrollierenden Einfluss auf die Regionalzeitungen, sondern glauben an die gute Kooperation mit unseren Partnern.»
Selbst Tamedia-VR-Präsident und «Tages-Anzeiger»-Herausgeber Coninx bezeichnete sich als «grossen Freund» von Kooperationen und wollte die Lancierung der TA-Splitausgabe für das linke Zürichsee-Ufer partout nicht als Versuch zur Verdrängung der NZZ-Partnerin «Zürichsee-Zeitung» sehen. Dies sei lediglich eine Verstärkung des Auftritts im Stammgebiet, wo der «Tagi» ja bereits 34 000 Leserinnen und Leser habe. Er blieb Gesprächsleiter Lüönd allerdings die konkrete Antwort schuldig, welches Ziel er sich mit dem TA-Split am linken Ufer gesetzt habe. «Wir möchten wachsen», sagte er einzig. Auf die Frage, weshalb er nicht auch den Weg der Zusammenarbeit mit der «P» gewählt und stattdessen auf Konfrontation mache, gab er sich versöhnlich: Er hätte die «Zürichsee-Zeitungen» schon gerne übernommen, nicht aber als unfreundlichen Akt, sondern im Einverständnis mit der heutigen Besitzerfamilie Gut.
Zum Abschluss der Runde betonte Rohner, die Schweiz befinde sich im Moment an einem Wendepunkt der Medienentwicklung. Im Vergleich zu den digitalen elektronischen Medien, die immer mobiler würden, verlören die Printmedien immer mehr von ihrem Vorteil. Deshalb müssten sich die Verleger in Zukunft noch viel mehr öffnen für Kooperationen nach allen Seiten und mit allen möglichen Partnern.
Dienstag
11.01.2005