Content:

Dienstag
11.01.2005

Geht der Sinkflug der Printmedien auch im neuen Jahr weiter, und was bringt die Zusammenarbeit mit der elektronischen Konkurrenz? Dies waren die alles beherrschenden Themen der diesjährigen Dreikönigstagung, organisiert vom Medieninstitut des Verbandes Schweizer Presse. Etwa 400 Männer und 50 Frauen drängten sich ins Zürcher World Trade Center. «Wir konnten zum ersten Mal nicht alle Anmeldungen berücksichtigen», konstatierte Veranstalter Karl Lüönd erfreut. Zwar war das handliche Patentrezept zur unmittelbaren Rettung der notleidenden Branche nicht im Angebot, dafür aber zahlreiche interessante Ansätze sowie die eifrig genutzte Möglichkeit zum ausgiebigen Networken.

Als erster Redner vertrat Verleger-Verbandspräsident Hanspeter Lebrument («Südostschweiz») einmal mehr seine bekannten Positionen zu den Stichworten Gesamtarbeitsvertrag, Medienkonzentration, Mediengesetzgebung sowie Presserat. Dabei mokierte er sich unter anderem darüber, dass ein von der Medienschaffenden-Gewerkschaft Comedia zum Jahresbeginn lanciertes «Mail-Bombardement» zu Gunsten eines neuen Gesamtarbeitsvertrags zu genau 35 Mails in seinem Internet-Briefkasten geführt habe. Am Beispiel der spanischsprechenden Bevölkerung in den USA, die zunehmend als neue Zielgruppe erkannt werde, versuchte Daniel Hofer von der Publicitas Promotion Network auf Chancen aufmerksam zu machen, die sich auch in einem schrumpfenden Markt ergäben. Und Moritz Wuttke, Direktor Head of Business Development Publigroupe, unterstrich, die Zusammenarbeit mit dem Internet müsse noch viel mehr verstärkt werden, wenn man als Printverleger Zukunft haben wolle.

Konkrete Beispiele für die Neuausrichtung von Printtiteln und die Zusammenarbeit mit anderen Medien lieferten im weiteren Ivo Bachmann von der gründlich überarbeiteten «Basler Zeitung» und Klaus Josef Lutz von der «Süddeutschen Zeitung», die auch mit dem Verkauf von Büchern und CDs aktiv geworden ist. Beide Referenten zeigten sich überzeugt vom Erfolg ihrer Massnahmen am Markt.

Mit unterschiedlichen Konkurrenzsituationen befassten sich zwei Podiumsgespräche. Dabei blieb eine Runde mit Tamedia-VR-Präsident Hans Heinrich Coninx, NZZ-Regionalzeitungs-Chef Beat Lauber und Publigroupe-CEO Hans-Peter Rohner zum Thema der Regionalzeitungs-Strategien im Grossraum Zürich trotz des erklärten Kampfs um jeden einzelnen Leser weitgehend nett und unverbindlich. Hingegen markierten Swisscom-CEO Jens Alder und sein Widerpart Rudolf Fischer von der Cablecom ihre unterschiedlichen Positionen hart und spannungsvoll.

Das vielleicht reizvollste Element der ganzen Tagung - neben dem Networking selbstverständlich - war das «Duo ohne Rolf» aus Luzern, das eine amüsante und echt originelle Einführung bot. Ohne ein einziges gesprochenes Wort, nur mit Texten auf grossen Papierbögen, brachten sie es in kurzer Zeit fertig, Ruhe im Saal zu schaffen und die Anwesenden auf das Tagungsthema einzustimmen.