Eric Gujer forciert den Rechtsrutsch bei der «Neuen Zürcher Zeitung» weiter: Dominik Feusi wird die Nachfolge des angesehenen Ökonomen Hansueli Schöchli antreten, der seit September 2009 Wirtschaftsredaktor bei der NZZ ist und sich nach seiner Replik auf ein Fontana-Interview in der NZZ zur Kündigung gezwungen sah.
Wie der Klein Report kurz vor Weihnachten enthüllte, hatte sich Schöchli mit dem libertären NZZ-Chefredaktor überworfen. Schöchli veröffentlichte eine Replik auf ein Interview, das die NZZ-Journalistin Katharina Fontana am 21. Oktober 2025 in der Zeitung mit dem konservativen Historiker Oliver Zimmer geführt hatte. Titel: «Es entwickelt sich eine soziale Zweiteilung in der Schweiz».
Wirtschaftsredaktor Schöchli dröselte in seinem NZZ-Artikel unter dem Titel «Die Einwanderung ist nicht an allem schuld: Die Thesen des Historikers Oliver Zimmer im NZZ-Interview rufen nach einer faktenbasierten Überprüfung» alles detailliert auf. Und Peng.
Gemäss Gesprächen mit NZZ-Journalisten, die der Klein Report führte, ist es mittlerweile ein offenes Geheimnis, dass der NZZ-Chefredaktor «seinen» Schreiberlingen in apodiktischer Weise mitteilt, was ins Weltblatt kommt und was nicht. Es kam schon zu weiteren Abgängen.
Nun ersetzt der 63-jährige Gujer, der vor der Pensionierung steht, den Wirtschaftsredaktor Schöchli mit einem eher ideologisch gefärbten Leichtgewicht für das Ressort Wirtschaft und das Bundeshaus. Für den passionierten Fliegenträger Dominik Feusi ist Ostern und Weihnachten zusammen.
Gemeinsam mit Markus Somm publiziert Feusi täglich den Newsletter «Nebelspalter»-Kompakt: Somm und Feusi erscheinen je zwei Mal mit einem Porträt. Dazu kommt noch Feusis «Bundeshaus Briefing», bei Somm ist es das tägliche «Somms Memo».
Seit Frühling 2015 ist der libertäre Gujer Chefredaktor. Ausser dem Klein Report weist niemand darauf hin, dass es heikel ist, dass seine Ehefrau Claudia Schwartz, die von 2013 bis 2020 Redaktorin im Feuilleton war und heute als Redaktorin im Ressort Meinung & Debatte das Dossier Deutschland betreut, mit ihm ein Power-Couple bildet. Wie überall in der Wirtschafts- und Politikwelt sind Ehepaare in solchen Konstellationen ein Compliance-Problem – ob sie das wollen oder nicht.
Die letzten anwaltlichen Attacken der NZZ hat der Klein Report mit «Zensur»-Verweisen im Online-Archiv abrufbar.
Ein Gegenpol zu Gujer ist auch der CEO der NZZ-Gruppe, Felix Graf, nicht. Er stützt den konservativen Kurs und konzentriert sich derweil auf sein neues Engagement bei der börsenkotierten APG, wo die NZZ ihren Anteil auf 45 Prozent aufstocken will. Hier soll der ehemalige McKinsey-Manager bald zum Verwaltungsratspräsidenten gewählt werden, auch für ihn fallen Ostern und Weihnachten zusammen.
Nehmen wir es doch liberal, nicht libertär und lassen uns von Terenz helfen: «Ich bin ein Mensch, nichts Menschliches ist mir fremd.»
Ein Komödienstadel ist uns aber gewiss, schlussfolgert der Klein Report.




