Es ist mehr als das Ende einer Rubrik. Es ist das Ende einer Ära. Mit der Absetzung von «Bei den Leuten» in der «Weltwoche» verabschiedet sich Chefredaktor und Verleger Roger Köppel nicht nur von einem beliebten Format – sondern von einer journalistischen Disziplin, die auf Nähe, Vertrauen und persönlichem Kontakt beruht.
Und er schickt damit auch einen der letzten grossen People-Reporter der Schweiz in den Ruhestand: André Häfliger.
Vier Jahrzehnte lang war Häfliger dort, wo sich die Schweiz inszenierte. Bei Premieren, Empfängen, Vernissagen und Wohltätigkeits-Galas. Er kennt sie alle – und alle kennen ihn. Von Christoph Blocher bis Adolf Ogi, von Hausi Leutenegger bis Martina Hingis.
Häfliger ist kein distanzierter Chronist, sondern ein diskreter Begleiter. Einer, der zuhört, statt bloss zu zitieren. Der Beziehungen pflegt, statt Kontakte zu sammeln.
Sein Journalismus mag altmodisch sein – aber gerade deshalb wertvoll. Während die Branche auf Klicks, Tempo und digitale Reichweite setzt, bleibt André Häfliger dem persönlichen Gespräch verpflichtet. Geschichten entstehen bei ihm nicht am Bildschirm, sondern im direkten Austausch. Vertrauen ist sein Kapital. Nähe sein Handwerk.
Dass ausgerechnet die «Weltwoche» dieses Format streicht, ist keine Überraschung. Das ehemals liberale Wochenmagazin tendiert je länger je mehr zu journalistischem Radikalismus. Dabei würde gerade im People-Journalismus ein kaum zu überschätzender Wert liegen: Wer die Schönen und Reichen ins beste Licht rückt, pflegt Beziehungen – auch zu potenziellen Inserenten und Werbekunden.
In Zeiten wirtschaftlichen Drucks wäre dies ein strategisches Asset. Doch Roger Köppel zückt den Rotstift – und kappt damit ein Stück publizistischer Vielfalt.
In Journalistenkreisen sorgt der Entscheid für Unverständnis. Auch bei prominenten Weggefährten Häfligers – von Christoph Blocher bis Adolf Ogi – ist die Verwunderung gross. Denn Häfliger war mehr als ein Reporter. Er war ein Netzwerker, ein Vermittler, ein Chronist einer Gesellschaft, die sich sonst selten so nahbar zeigt. Adolf Ogi lässt sich noch heute am liebsten von Häfliger zu wichtigen Terminen chauffieren.
Für diese Rolle hat der Journalist vieles geopfert. Während seine Kolleginnen und Kollegen zwischen Beruf und Privatleben balancieren, lebt Häfliger für den nächsten Anlass. Olympische Spiele, Miss-Wahlen, VIP-Events: Sein Kalender war voller als jeder Ballsaal. Die Ehe zerbrach am Kinderwunsch seiner Gattin. Am Ende blieb ein Leben im Rampenlicht – und oft ein stiller Abend danach.
Nun steht der 69-Jährige vor dem letzten Kapitel. «Ich werde bald 70 – vielleicht ist es der richtige Moment, um in Pension zu gehen», sagt er. Es klingt wie ein leiser Abgang. Ohne Drama. Ohne grosse Worte.
Doch sein Abschied markiert eine Zäsur. Mit André Häfliger verschwindet ein Journalist, der noch an das echte Gespräch glaubte. An Handschläge statt E-Mails. An Begegnungen statt Algorithmen.
Der rote Teppich wird bleiben. Aber einer, der ihn geprägt hat wie kaum ein anderer, rollt ihn nun ein.




