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Montag
09.02.2026

TV / Radio

Lindsey Vonn wird im Helikopter ins Spital geflogen... (Bild: zVg)

Lindsey Vonn wird im Helikopter ins Spital geflogen... (Bild: zVg)

Der Sturz von Lindsey Vonn in der Olympia-Abfahrt von Cortina d’Ampezzo war nicht nur ein sportliches Drama, sondern auch ein Prüfstein für den Umgang der Medien mit diesem Schockmoment in Echtzeit. 

Kaum zwölf Sekunden nach dem Start verlor die US-Athletin die Kontrolle, stürzte schwer und blieb minutenlang im Schnee liegen. Bilder, die um die Welt gingen – und eine Berichterstattung, die rasch die Frage aufwarf: Wo endet Information, wo beginnt Sensationsjournalismus?

Viele Medien beschrieben den Unfall in drastischen Worten. Von einem «herzzerreissenden Moment» war die Rede, von «Schmerzensschreien», die durch die Live-Übertragung hallten. Zuschauer reagierten entsetzt. «Horrible watching that horrendous Lindsey Vonn crash, and worse hearing her screaming afterwards», zitieren US-Medien Stimmen aus den sozialen Netzwerken («es war schrecklich, diesen furchtbaren Sturz von Lindsey Vonn mitanzusehen – und noch schlimmer war es, ihre Schreie danach zu hören.») 

Der Tonfall vieler Berichte schwankte zwischen Anteilnahme und emotionaler Zuspitzung – ein Balanceakt, der nicht immer gelang. Felix Neureuther, früherer Spitzenrennfahrer und heute ARD-Experte, fasste das Gesehene in nüchterne Worte: «Das ist ein Sturz, den ich in dieser Brutalität in fast 40 Jahren nicht erlebt habe.»

Besonders deutlich wurde die medienethische Dimension im Umgang mit dem Liveton. Das Schweizer Fernsehen SRF blendete die Audioübertragung sofort aus, als die Schreie der gestürzten Athletin zu hören waren. Ein bewusster Akt der Zurückhaltung – und ein klares Signal, dass es Grenzen der Zumutbarkeit gibt. Anders der ORF, der den Ton ungefiltert laufen liess. 

Auch die Bildregie geriet in die Kritik. Zeitlupen, Wiederholungen, Nahaufnahmen der am Boden liegenden Vonn verstärkten den Eindruck, dass das Drama nicht nur dokumentiert, sondern ausgeschlachtet wurde. Deutsche Kommentatoren äusserten live ihr Unbehagen, sprachen von «unerträglichen Bildern» und davon, dass man «nicht alles zeigen müsse, was technisch möglich ist».

Der Fall Vonn zeigt exemplarisch, wie schmal der Grat ist, auf dem Sportjournalismus im Zeitalter permanenter Live-Bilder wandelt. Medien haben die Pflicht zu informieren – aber ebenso die Verantwortung, Leid nicht zur Ware zu machen. Die Entscheidung von SRF, den Ton abzuschalten, wirkt in diesem Kontext wie ein medienethischer Referenzpunkt: weniger Emotion, mehr Respekt. Die Debatte darüber ist notwendig – gerade weil solche Momente nicht die Ausnahme, sondern Teil der medialen Realität des Spitzensports sind.