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Mittwoch
05.01.2005

Sie ist bald 48 Jahre alt und verzichtet nach wie vor strikt auf Werbung. Was 1956 als «Betty Bossi Post» begann, ist 2005 mit der ersten Nummer der «Betty Bossi Zeitung» (BBZ) neu lanciert worden. «Kochen muss lustvoll sein», meint dazu Chefredaktorin Susanna Ries im Gespräch mit dem Klein Report, deshalb auch wurde ein durchgehendes Facelifting vorgenommen. Dabei liegt die letzte optische Renovation des Blattes mit einer abonnierten Auflage von 925 728 Exemplaren erst 3 Jahre zurück. Und nach wie vor verzichtet die Zeitung auf Reportagen oder Hintergrundberichte. Tatsächlich ein Phänomen.

Das lässt sich auch über die Sendung «Al dente» sagen, die seit Sommer 2004 auf SF 1 zu sehen ist und seit dem Umzug vom zweiten SF DRS-Sender die Zuschauerzahl beinahe verdoppeln konnte: Stieg er bei SF 2 zuletzt auf 403 000 Zuschauer, verzeichnete die von Sven Epiney moderierte Sendung im Schnitt 740 000 Zuschauer auf dem ersten Kanal, was einem Marktanteil von 37% entspricht, wie Betty Bossi-Kommunikationsleiterin Ruth Bannwart dem Klein Report erklärte. «Damit sind wir mehr als zufrieden», ergänzt sie.

Die Betty Bossi Verlag AG, an der Coop zu 50% beteiligt ist (die andere Hälfte hält die Ringier AG), versteht sich mittlerweile als Kompetenzzentrum für die Alltagsküche, das beispielsweise bei der Entwicklung von neuen Fresh-Convenience-Produkten für den Grossverteiler Coop sein Know-how beisteuert, wie Bannwart sagt. Freilich, eine weiter gehende Zusammenarbeit im Medienbereich existiert nicht. Auch die TV-Sendungen nehmen keinen Einfluss auf die redaktionelle Planung, erklärt BBZ-Chefredaktorin Ries. Die Tatsache, dass sich bald jeder private und öffentlich-rechtliche Sender mit einer Kochsendung zu profilieren versucht, hatte jedenfalls keinen Einfluss auf den BBZ-Relaunch. «Es gibt keine Inflation von Kochsendungen», sagt Ries, die mit dem aufgefrischten Blatt die allgemein gewachsenen Ansprüche an eine gehobene Alltagsküche mit rasch auffindbaren Produkten befriedigen will. Ein Trend, der dem diffizilen Zeitmanagement berufstätiger Frauen und Männer entgegenkommt. Mit dem BBZ will sie eine Alternative zu Convenience Food präsentieren.

Mittlerweile ist der Betty Bossi Verlag im Medienbereich zu einem kulinarischen Allrounder geworden. Den per E-Mail versandten Newsletter haben 60 000 User abonniert, die Homepage verzeichnet monatlich 300 000 Besuche. Im Printbereich ergänzen Kochbücher mit einer Gesamtauflage von einer Million jährlich die Zeitung, und jedes Jahr verkauft der Verlag 1,8 Mio. Exemplare der 40 bis 50 neuen Küchen- und Haushalthelfer. Zusammen ergibt dies für 2004 einen Jahresumsatz von 75 Mio. Franken, zu dem auch noch die Content Services ihren Beitrag leisten: Für die Coop Presse und die Coop Magazine werden Panoramaseiten und Beiträge gestaltet und geschrieben, in der «Schweizer Illustrierten» ist Betty Bossi mit der Rubrik «En guete» vertreten und publiziert mit dem Ringier-Blatt auch das Magazin «Al dente». Multi-Channel-Strategie in Reinkultur.