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Sonntag
04.01.2026

Medien / Publizistik

Bundesrat Beat Jans rang um Worte und sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus... (Bild: © Klein Report)

Bundesrat Beat Jans rang um Worte und sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus... (Bild: © Klein Report)

Crans-Montana steht unter Beobachtung.

Seit dem tödlichen Inferno in der Bar «Le Constellation» ist das Dorf Anlaufstelle für internationale Medien geworden: CNN, BBC, ARD, ZDF, ORF, RTL, France TV, das öffentlich-rechtliche belgische Fernsehen, Europe 1, Rai und zahlreiche weitere TV-Stationen, Radiosender, internationale Nachrichtenagenturen und Newsportale sowie Printtitel sind vor Ort.

Alle suchen nach Erklärungen, nach Zeugenaussagen, nach Einordnung – in einem Umfeld, das von Trauer und Erschöpfung geprägt ist.

Vor allem Jugendliche, die Freunde verloren haben, geraten immer wieder ins Blickfeld der Berichterstattung. Kameras und Mikrofone treffen auf Menschen, die kaum in der Lage sind, zu sprechen.

Auch Feuerwehrleute, die nach dem Einsatz ins Dorf zurückgekehrt sind, um gemeinsam zu trauern, werden um ihre Eindrücke gefragt. Als sie empfangen werden, applaudieren die Anwesenden. Doch auf Fragen folgen Schweigen, Tränen, abgebrochene Sätze.

Nicht nur die Betroffenen wirken überfordert, auch manche der angereisten Journalistinnen und Journalisten scheinen mit der emotionalen Wucht der Situation zu ringen.

Am Samstag reiste Bundesrat Beat Jans nach Crans-Montana. Am Nachmittag traf er sichtlich bewegt am Unglücksort ein, trug sich in ein Kondolenzbuch ein und sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus. «Die Schweiz ist tieftraurig», sagte Beat Jans.

Der Schock über die unermessliche Tragödie sitze tief. Als Vater zweier Töchter könne er das Leid der Angehörigen nur erahnen. Er wünsche ihnen viel Kraft und versichere ihnen, dass sie nicht alleine seien. Auch dieser Moment der staatlichen Anteilnahme vollzog sich unter den Augen der Öffentlichkeit – zurückhaltend, aber nicht unbeobachtet.

Parallel zur Trauer rückt die juristische Aufarbeitung in den Vordergrund. Die Walliser Staatsanwaltschaft hat ein Strafverfahren gegen die Betreiber der Bar Le Constellation Jacques und Jessica Moretti eröffnet. Ihnen wird fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst vorgeworfen.

Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud und ihr Team hatten die Barbetreiber einen Tag zuvor als Auskunftspersonen vernommen. Es gelte die Unschuldsvermutung.

Unter den erdrückenden Zeugenaussagen live vor Ort und in den Sozialen Medien verdichten sich die unzulänglichen Bedingungen im Kellergeschoss der überfüllten Bar in der Silvesternacht, die möglicherweise nur einen offenen Fluchtweg hatte, wie verschiedene Augenzeugen berichten.

Der Brandhergang gilt inzwischen als weitgehend geklärt. Dutzende Videoaufnahmen aus der Silvesternacht in den Sozialen Medien zeigen, wie an Champagnerflaschen befestigte Sprühkerzen gezündet wurden. Eine davon kam dem Akustikschaumstoff an der Decke des Kellergeschosses zu nahe. Das Material fing Feuer, die Flammen breiteten sich innerhalb weniger Minuten über den Raum aus.

Die Behörden bestätigten am Samstagnachmittag diesen Ablauf und prüfen nun, ob die baulichen und sicherheitstechnischen Vorschriften eingehalten wurden – darunter Fluchtwege, Feuerlöscher, die zulässige Personenzahl und insbesondere die Frage, ob der verwendete Schallschutz den Brandschutzstandards entsprach.

Dabei gerät auch die Gemeinde Crans-Montana unter Druck. Für feuerpolizeiliche Kontrollen öffentlich zugänglicher Gebäude sind im Wallis die Gemeinden zuständig; vorgesehen sind jährliche Überprüfungen.

Aussagen des Barbetreibers, wonach es in zehn Jahren lediglich drei Kontrollen gegeben habe, werfen Fragen auf.

Die Gemeinde verweist bislang auf das laufende Verfahren und betont, es habe keine lasche Haltung gegeben. Gleichzeitig kündigte sie an, sich dem Strafverfahren als Zivilklägerin anschliessen zu wollen.

Über die Sonntagsmedien kündigte Bundespräsident Guy Parmelin einen nationalen Gedenktag für den 9. Januar an. Als Zeichen der Verbundenheit läuten dann um 14 Uhr die Kirchenglocken.