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Donnerstag
22.03.2007

Beim Thema Entbündelung der letzten Meile geht es um viel Geld, und entsprechend werden alle Beteiligten ihre Pfründe mit Klauen und Zähnen verteidigen. Die Eidg. Kommunikationskommission (ComCom) hat am Donnerstag ihrer Befürchtung Ausdruck gegeben, es werde wohl einen langen Streit zu diesem Thema geben. Sie appellierte deshalb an die Vernunft der Telecom-Unternehmen. Am 1. April verliert zwar die Swisscom ihr Monopol auf der letzten Meile - dem Kupferkabel zwischen Ortszentrale und Hausanschluss. Bis aber die Endkunden in den Genuss neuer, Swisscom-unabhängiger Angebote von Sunrise und Co. kommen, werden noch Monate ins Land ziehen. Der ComCom-Präsident appellierte an alle Telecom-Anbieter, das Verfahren nicht mit juristischen Winkelzügen in die Länge zu ziehen. Swisscom-Chef Carsten Schloter habe bereits zugesichert, dies nicht tun zu wollen. Für die Zwischenzeit müsse ein Übergangspreis festgelegt werden, damit die Entbündelung stattfinden könne, sagte Furrer.

«Wir werden vor der ComCom klagen, nachdem die sogenannten Verhandlungen mit der Swisscom über die Bühne gegangen sind», hatte etwa Tele2-Chef Roman Schwarz zum Thema angekündet. Zusammen mit Sunrise hatte er empört auf die Preisankündigung der Swisscom reagiert, die künftig für den Zugang zur letzten Meile 31 Franken pro Monat und Anschluss verlangen will. Gleichzeitig stellt die Swisscom ihren eigenen Endkunden für den Telefonanschluss weiterhin 25.25 Franken in Rechnung. «Das kann es nicht sein, dass wir für 31 Franken einkaufen und für 25.25 Franken verkaufen sollen», sagte Schwarz. Und mit 31 Franken käme man noch nicht einmal aus. Denn mit allen Kosten dürfte ein Anschluss auf 45 bis 50 Franken zu stehen kommen. «Das wird kein Mensch bezahlen», sagte der Tele2-Chef. Er persönlich habe im «schlimmsten Fall» mit 20 Franken pro Monat gerechnet.

Die Höhe des Swisscom-Preises von 31 Franken wollte Furrer nicht kommentieren: «Das müssten wir zuerst durchrechnen.» Die Swisscom begründet ihren Preis mit den teureren Lohn- und Baukosten sowie den strengeren Bauvorschriften in der Schweiz. Er wisse nicht, ob die Baukosten so viel ausmachten, wenn er beispielsweise mit Ländern wie Österreich vergleiche, sagte Furrer, der durchblicken liess, dass er den Swisscom-Preis für zu hoch halte. Das ComCom-Verfahren zur Festsetzung der Bedingungen zum Zugang zur letzten Meile könnte in sieben Monaten durchgezogen werden, sagte Furrer. Dann könnte Rekurs beim Bundesverwaltungsgericht eingelegt werden.