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Samstag
24.03.2007

Das erste «BlogCampSwitzerland» war so vielfältig wie die einschlägige Szene. Am Samstag haben sich in Zürich an der ETH 160 überwiegend Blogger und wenige Bloggerinnen aus ganz Europa zum Austausch, zu Vorführungen und allerlei Interaktionen getroffen. Die «Generation 15plus» war spärlich vertreten, mehrheitlich dagegen das Alterssegment «25plus». Im Vorfeld kursierte das Gerücht, wonach das BlogCamp eine verkappte «Marketing-Veranstaltung» für in der Szene aktive Agenturen sein könnte, was sich zu Beginn der Veranstaltung bald als unbegründet erwies. Auf fünf Spuren gabs über den ganzen Tag verteilt 20 Workshops rund ums Weblog.

So vielfältig wie die Blogger-Szene sind auch die Meinungen darüber; die Bandbreite reicht von «kreativ» bis «Schrott». Christian Leu alias «Leumund» gilt als intimer Kenner der Szene und weiss zu differenzieren: «Blogs bestehen zum grossen Teil aus Nichtigkeiten, und die meisten haben nur einen bescheidenen Anspruch», urteilte Leu gegenüber dem Klein Report. Verbindliche Zahlen gibt es kaum, jedoch «etwa 90 Prozent der Aktiven bloggt, um sich etwas von der Seele zu schreiben», schätzt Leu. Der Rest teile sich auf in jene, «die gerne was Relevantes schreiben wollen und jene, die tatsächlich was Relevantes schreiben».

Andere Beobachter wie der frühere Journalist Jürg Vollmer vermutet, dass «von den rund 2500 Schweizer Weblogs vielleicht 1 Prozent als journalistisch gelten kann». Leumund ist überzeugt, «dass es ebenso gute wie schlechte Blogger gibt wie gute und schlechte Journalisten». Von der Vielzahl der Blogs sei «ohnehin nur ein Teil länger als über drei Monate und mehr aktiv». Der Weblog-Kenner schätzt diese Zahl auf etwas über 500.

Bloggen als eigenständiges Medium zu bestimmten Themen oder Sachfragen wie beispielsweise «Blogwerk», «braucht eben Professionalität, sowohl für den Aufbau wie den Unterhalt», erklärt Leumund weiter. Leserinnen und Nutzer müssen via RSS-Feeds ständig mit Hinweisen auf Aktualisierungen und Neuigkeiten versorgt werden. Reichweite und Potenzial von Weblogs sind nach Überzeugung von Christian Leu jedoch längst nicht ausgeschöpft. Die Blogger-Szene Schweiz könnte in den nächsten Jahren durchaus «noch auf ein Vierfaches ansteigen».

Den Anlass organisiert haben, nach dem Vorbild der berühmten BarCamp im kalifornischen Silicon Valley, das Institut für Jungunternehmen (IFJ), die Internet Marketing Agentur «Small-n-Tall» sowie Blogwerk nebst anderen. «Vom Ablauf und der Stimmung ziemlich cool», fand Peter Hogenkamp das Blogger-Lager. Er ist einer der Mitbegründer des Anlasses, der bereits das BarCamp vom Oktober 06 mitorganisierte. Immerhin seien Dreiviertel der Angemeldeten am Samstag in Zürich erschienen. Auch «in punkto Zusammensetzung habe man sich nicht getäuscht, die Mehrzahl seien Privatleute, die Bloggen nicht beruflich, sondern nebenher betreiben», so Blogwerker Hogenkamp. «Nicht alle Vorträge waren gleichermassen interessant, besonders am Morgen gabs gute Parallel-Angebote», bilanziert er. Eine Umfrage unter den Teilnehmenden hat einen grossen Zuspruch ergeben; das nächste BlogCampSwitzerland soll schon am 20. Oktober über die Bühne gehen.