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Mittwoch
04.04.2007

In der Türkei haben staatliche Zwangsverwalter kurz vor wichtigen Wahlen die Mediengruppe «Merkez Grubu», das zweitgrösste Medienkonglomerat des Landes, beschlagnahmt und damit unter die Kontrolle der Regierung genommen. Oppositionsführer Deniz Baykal kritisierte daraufhin die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan laut der Zeitung «Cumhuriyet». Er bezog sich auf die Präsidentenwahl im Mai und die Parlamentswahl im November. Auch Journalistenverbände äusserten Kritik. Erdogan wies die Vorwürfe zurück und betonte, der staatliche Zwangsverwalter TMSF sei autark. Die Regierung habe bei der Entscheidung der Behörde keinerlei Druck ausgeübt.

Zur Mediengruppe «Merkez Grubu» gehören unter anderem das grosse Boulevardblatt «Sabah» und der landesweit zu empfangende Fernsehsender ATV. Nach einem Bankenskandal um den ehemaligen «Sabah»-Eigner Dinc Bilgin war die Mediengruppe vor einigen Jahren von dem Geschäftsmann Turgay Ciner übernommen worden. Laut TMSF hat sich nun herausgestellt, dass zwischen Bilgin und Ciner illegale Geheimabsprachen bestanden. Deshalb sei die Behörde tätig geworden und habe die Mediengruppe beschlagnahmt. Diese werde innerhalb von vier bis sechs Monaten meistbietend versteigert. Presseberichten gemäss wird damit gerechnet, dass sich internationale Medienunternehmen wie Axel Springer, die kanadische Canwest-Gruppe oder die News Corporation von Rupert Murdoch für «Sabah» und ATV interessieren könnten.