Nach 20 Jahren stellt die von Hans Magnus Enzensberger und Franz Greno begründete «Andere Bibliothek» ihr Erscheinen ein. Im September 2005 werde der letzte Band erscheinen, teilten Enzensberger und Greno am Montag in Berlin mit. Die Verträge mit dem Eichborn-Verlag seien mit Wirkung zum 30. September 2005 gekündigt worden. «Was lange währt, muss aber nicht ewig dauern», hiess es zur Begründung lediglich. Gerade weil dieses Unternehmen in den letzten Jahren einige Überraschungserfolge zu verzeichnen hatte - das Humboldt-Projekt, die Aufzeichnungen der Berliner Anonyma und Asfa-Wossen Asserates Manieren-Buch - scheine nun der ideale Zeitpunkt gekommen, um dem Spiel ein Ende zu setzen, hiess es in der Erklärung.
Jeden Monat erschien «ein besonderes Buch», ausgewählt und herausgegeben von Enzensberger. Die Bände waren liebevoll gestaltet und verarbeitet. Mit dem letzten, dem 249. Band («Die Wissenschaft vom lieben Gott»), wird die Buchreihe eine Gesamtauflage von etwa 3 Millionen Exemplaren erreicht haben, teilte Rainer Wieland vom Lektorat mit. Ein spektakuläre Erfolg war Christoph Ransmayrs «Letzte Welt» mit einer Gesamtauflage von mehr als 150 000 Exemplaren. Gestartet wurde die Reihe mit Lukian von Samosatas «Lügengeschichten». Es folgten Romane, Essay-Bände, Reportagen, Reiseberichte und Gedicht-Anthologien. Einige Ausgaben erzielten in ihren Originalausgaben einen hohen Sammlerwert.
Montag
20.12.2004