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Montag
10.01.2005

China werde aller Voraussicht nach in diesem Jahr die Vergabe der Lizenzen für eine schnelle Mobilfunktechnik starten. Grossen Telekomkonzernen würde der lang erwartete Aufbau der Mobilfunknetze der dritten Generation (3G) Millionenaufträge sichern. Da die Ausrüster wie Siemens, Motorola und Nortel aber mit verschiedenen technischen Standards um die Lizenzen buhlen werden, wollte China bisher abwarten, bis die einheimischen Konzerne ihre entwickelte Technik zur Marktreife gebracht haben. Das scheint nun bald der Fall zu sein, wie die «Financial Times Deutschland» am Montag mitteilte.

Die «100-Milliarden-Dollar-Frage» nennt es Lothar Pauly, Chef von Siemens Communications, der neu gegründeten, grössten Sparte des Münchner Konzerns. Während die 3G-Technik in Europa mit dem UMTS-Standard WCDMA längst gestartet ist und erste Nutzer weit schneller als bisher mobile Anwendungen wie Klingeltöne und Spiele auf ihre neuen Handys herunterladen, liess sich China bisher Zeit. Jetzt zeichnet sich jedoch ab, dass es dieses Jahr soweit sein wird. Es sei Zeit, eine Entscheidung zu fällen, sagte gerade selbst Xi Guohua, Vize des Informationsministeriums, der chinesischen Zeitung «Guangming Daily».

Seit Jahren wartet die globale Telekomindustrie auf die potenzielle Auftragsflut aus dem Reich der Mitte. Solange das Informationsministerium nicht entscheidet, gebe es aber keinen Grund, euphorisch zu sein, warnen Branchenexperten. China wolle zunächst die Erfahrungen anderer abwarten und habe nicht genug Geld, um vorzupreschen, hiess es bisher als Grund für das Zögern. Entscheidend ist jedoch vor allem eines: Lizenzen wird es erst geben, wenn China seinen eigenen 3G-Standard bis zur Marktreife entwickelt hat. Bis Ende März sollen die ersten Produkte für den China-Standard TD-SCDMA nun jedoch marktreif sein, sagt Christoph Caselitz, Chef der Netzwerksparte von Siemens Communications, der FTD. Die Münchner haben den China-Standard von Beginn an mitentwickelt. Mittlerweile sind auch andere globale Grössen wie Motorola und Nortel aufgesprungen.