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Donnerstag
13.01.2005

Vizekanzler und Bundesratssprecher Achille Casanova (63) wird per 1. August neuer Ombudsmann für das Schweizer Radio DRS und Schweizer Fernsehen DRS. Casanova übernimmt das Amt vom bisherigen Ombudsmann Otto Schoch. An seiner Sitzung vom 13. Januar habe der Publikumsrat Casanova in das neue Amt gewählt, schreibt der Rat am Donnerstagnachmittag. Casanova tritt nach fast 24 Jahren Ende Juli von seinen Funktionen als Vizekanzler und Bundesratssprecher zurück.

Der aus dem Tessin stammende ursprüngliche Journalist Casanova war im Juli 1981 zum Vizekanzler und damit Stellvertreter des Bundeskanzlers gewählt worden. Von Anfang an war der vielsprachige und eloquente Tessiner zuständig für die Information. Auf den 1. September 2000 wurde er mit dem neu geschaffenen Posten des Bundesratssprechers betraut. Casanova ist ein versierter Medienmann. So hat der Tessiner bereits als Werkstudent in der italienischen Redaktion der SDA gearbeitet. Ab 1962 war er als Bundeshauskorrespondent für das Radio der italienischen Schweiz tätig. Ab 1966 arbeitete er auch für das Tessiner Fernsehen und wurde 1971 Verantwortlicher für Innenpolitik und Bundeshauskorrespondent. Einen Namen machte er sich besonders bei Ersatzwahlen in den Bundesrat, als er jeweils in allen drei Landessprachen eloquent die Wahlvorgänge im Nationalratssaal und in der Wandelhalle kommentierte.

Über seine neue Tätigkeit als Ombudsmann meinte Casanova: «Ich freue mich sehr auf diese Aufgabe. Wenn auch aus einer anderen Warte, so führt mich diese neue und interessante Tätigkeit doch zu meinen beruflichen Wurzeln, zum Radio- und Fernsehjournalismus zurück», wird Casanova in der SRG-Mitteilung zitiert. Othmar Kempf, Präsident des Publikumsrates, zur Wahl Casanovas: «Mit Achille Casanova konnte eine landesweit anerkannte, unabhängige Persönlichkeit des öffentlichen Lebens für die wichtige Aufgabe des Ombudsmannes gewonnen werden.»

Die SVP hingegen kritisiert die Ernennung Achille Casanovas zum Ombudsmann von Radio und Fernsehen DRS. Ein Ombudsmann müsse unabhängig sein. Casanova aber gehöre der CVP an und damit derselben Partei wie SRG-Generaldirektor Armin Walpen. Die Arbeit als Ombudsmann sei nicht vereinbar mit einem politischen Engagement, sagte SVP-Generalsekretär Gregor Rutz gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Casanova könne nur schwerlich auf die Kritik der TV-Zuschauer und Radiohörer eingehen, wenn er derart eng mit Walpen verbandelt sei.

Seine Arbeit als Vizekanzler und Bundesratssprecher habe Casanova dagegen gut erfüllt, sagte Rutz. Offen sei derzeit, ob die SVP Anspruch auf den nun vakanten Posten in der Bundeskanzlei erheben wolle. Diese Frage werde die Parteileitung erörtern. In jedem Fall müsse der Nachfolger Casanovas aber alle drei Amtssprachen beherrschen.