Marketing- und Kommunikationsfachleute, Journalisten, Übersetzer, Korrektoren, IT-Berufe in der Datenbank-Analyse, Anwendungsprogrammierer: Hier steigt die Arbeitslosigkeit seit längerem deutlich.
Aber ausser im Journalismus, wo die Direktbetroffenen an den Schalthebeln zur Öffentlichkeit sitzen, hört man wenig bis nichts über die Entlassenen.
«In gewissen KI-exponierten Berufen sehen wir einen Anstieg der Arbeitslosigkeit», beschwichtigt Michael Siegenthaler, Professor für Arbeitsmarktökonomie an der ETH, in der «NZZ am Sonntag». Gemäss Schätzungen der ETH sei maximal ein Fünftel des Anstiegs bei der Arbeitslosigkeit zwischen 2023 und 2025 auf Künstliche Intelligenz zurückzuführen.
Wahrscheinlich hat der sich rückblickend mit Situationen befassende Ökonom das Wort exponentiell nach der Corona-Pandemie nicht mehr im Wortschatz.
Das Wachstum verläuft anfangs schleppend, wird aber rasant immer schneller. Und: Wir sprechen hier von digital. Im Marketing- und Werbebereich mit den Grafik- und Designabteilungen brennt der Baum nicht erst seit gestern, wie der Klein Report und vorausschauende Branchenkenner feststellen müssen.
Nur: Es ist das grosse Schweigen ausgebrochen: nicht darüber reden, nicht kommunizieren ist die etwas infantile Reaktion der Branche.
Siegenthaler selber sieht KI nicht als den «Hauptschuldigen» im Schweizer Stellenmarkt. Die üblichen Verdächtigen werden genannt: Krieg in der Ukraine, der Energieschock, die US-Zollpolitik und der Krieg im Iran.
Die Erwerbslosenquote sei von unter 4 Prozent nach dem Ende der Corona-Pandemie auf 5,2 Prozent gestiegen. «Es gab zwar schon schlimmere Zeiten, doch für die Schweiz ist alles über 5 Prozent recht hoch», analysiert Siegenthaler.
Dass die vielen arbeitslosen Bankangestellten auch aufs Erwerbslosenkonto knallen, hat hingegen nicht nur mit den internationalen Problemen zu tun, sondern mehrheitlich mit dem Zusammenlegen der Schweizer Grossbank Credit Suisse (CS). Ein Bankenkollaps, ein Systemversagen erster Güte muss aufgearbeitet werden.
Nach der Reorganisation der Grossbank UBS mit der Übernahme der CS sind im Banking die Arbeitslosenzahlen im Kanton Zürich auf ein Rekordhoch angestiegen. Hier seien über 1’500 ehemalige Bankangestellte arbeitslos gemeldet, was innerhalb eines Jahres ein Anstieg um ein Drittel sei.
Allein im Juni sind in der ganzen Schweiz 4’474 Personen bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren als arbeitslos gemeldet worden, die zuletzt bei einer Bank gearbeitet hätten. Die Wirtschaftsagentur AWP stützt sich auf Seco-Zahlen und ergänzt, dass seit Mai der Wert um 1,4 Prozent gestiegen sei und innerhalb des letzten Jahres sogar um fast 24 Prozent.
Das ist eine Seite der Medaille, die andere ist, dass alle Banken und Versicherer in grossem Stil in KI-Anwendungen investieren und daraus Effizienzgewinne erwarten. Das wird sich wiederum auf den Personalbestand auswirken.
Schaut man in die klassische Werbe- und Media-Agenturszene der Schweiz kommt noch die Konsolidierung ihrer internationalen Werbenetzwerke dazu.
Allein bei Publicis Schweiz, die zur französischen Publicis Groupe gehört, sind in den letzten vier Jahren schätzungsweise sang und klanglos 120 Stellen abgebaut worden.
International heisst es bei Publicis, man baue um auf «KI-first»-Agenturen. Das bedeutet weniger Personal, viel mehr Technologie und Leute, die mit KI arbeiten.
Im Schweizer Markt hörte man von ständig wechselnden CEOs, was kurz zu reden gab. Danach war wieder Schweigen im Wald.




