Der Streit um die Affäre des gefälschten Covid-Zertifikats von Patrick Fischer entwickelt sich zunehmend zur öffentlichen Auseinandersetzung zwischen dem ehemaligen Nationaltrainer und dem Schweizer Radio und Fernsehen (SRF).
Auslöser der jüngsten Eskalation ist ein Interview, das Fischer dem Journalisten Peter Röthlisberger im Auftragsverhältnis gegeben hat. Das Gespräch wurde über Fischers eigenem Youtube-Kanal verbreitet und von der PR-Agentur Signorell GmbH produziert.
Im Gespräch erhebt der Ex-Nati-Coach schwere Vorwürfe gegen SRF und stützt diese unter anderem auf eine E-Mail von SRF-Redaktor Pascal Schmitz an Finn Sulzer, Medienchef des Schweizer Eishockeyverbands (SIHF).
In der Nachricht schreibt Schmitz: «Ich schreibe dir bezüglich unseres 'off-the-record'-Gesprächs am Mittagstisch in Altstetten. Mir ist die Bedeutung einer 'off-the-record'-Vereinbarung sehr bewusst, und ich nehme dies ernst.»
Für Patrick Fischer ist diese Formulierung ein Beleg dafür, dass seine damaligen Aussagen tatsächlich unter Vertraulichkeit erfolgt seien.
Konkret geht es um ein Mittagessen im März während der Dreharbeiten zu einer SRF-Dokumentation über den Nationaltrainer. Dabei hatte Fischer gegenüber Schmitz offenbart, ein Covid-Zertifikat gefälscht zu haben.
Später machte SRF den Sachverhalt öffentlich. Die Affäre führte schliesslich zu Fischers Rücktritt als Nationaltrainer.
Nun weist SRF die Vorwürfe zurück. Gegenüber dem «Blick» hält der Sender an seiner bisherigen Darstellung fest. «Es gab keine 'off-the-record'-Vereinbarung vor dem Gespräch mit Patrick Fischer», erklärt SRF.
Nach Darstellung des Medienhauses habe der Medienchef des Eishockeyverbands erst nach dem betreffenden Mittagessen verlangt, die Aussagen als vertraulich zu behandeln. Auf diese nachträgliche Forderung habe sich der zitierte E-Mail-Verkehr bezogen. «Eine vorgängige 'off-the-record'-Vereinbarung wurde damit nicht bestätigt», behauptet man von Seiten SRF.
Weiter betont das Schweizer Fernsehen, Pascal Schmitz habe im selben E-Mail festgehalten, dass er die Aussagen nicht einfach ignorieren könne.
In Absprache mit der Chefredaktion habe man Patrick Fischer und dem Verband die Möglichkeit zur Stellungnahme einräumen wollen.
Zwischen den Zeilen deutet SRF zudem an, dass im Gespräch zwischen Fischer und Röthlisberger möglicherweise nicht die gesamte E-Mail wiedergegeben worden sei, sondern lediglich ein Ausschnitt daraus.
Grundsätzlich verweist SRF auf journalistische Standards. Eine Off-the-Record-Vereinbarung müsse «vorgängig, explizit und gegenseitig erfolgen». Dies sei im vorliegenden Fall nicht geschehen. Zudem sei die betreffende Aussage während eines offiziellen Drehtags für ein Porträt gefallen – in Anwesenheit des Medienchefs des Verbands und eines Kameramanns.
Dennoch habe die Redaktion den nachträglich geltend gemachten Vorbehalt respektiert. Die Aussagen seien weder als direktes Zitat veröffentlicht worden noch habe SRF Patrick Fischer als Quelle genannt.
Für SRF sei die Angelegenheit damit abgeschlossen. «SRF weist die Vorwürfe zurück, journalistische Grundsätze verletzt oder eine Vereinbarung gebrochen zu haben, und nimmt zur Kenntnis, dass Patrick Fischer die Situation anders beurteilt», hält der Sender fest.
Der Fall Fischer erhält damit ein weiteres Kapitel – und die Positionen der Beteiligten scheinen für den Klein Report verhärteter denn je.




