Sabine Turner wird neue geschäftsführende Direktorin des Schauspielhaus Zürich. Die Marketingfrau kommt vom Opernhaus – und stösst zu einem Haus, das mit leeren Reihen, öffentlichem Druck und teuren Strukturen kämpft.
Das Schauspielhaus Zürich rüstet seine Führung weiter auf: Der Verwaltungsrat der Schauspielhaus Zürich AG hat Turner zur neuen geschäftsführenden Direktorin ernannt.
Die Marketingfachfrau tritt ihren Job am 2. November 2026 an und wird den Vorsitz der Geschäftsleitung gemeinsam mit der Co-Intendanz Pınar Karabulut und Rafael Sanchez übernehmen.
Turner kommt vom Opernhaus Zürich, wo sie während 14 Jahren als Direktorin Kommunikation und Marketing, Mitglied des Direktoriums, Co-Direktorin «Zukunft Oper» und CEO der Stiftung Zukunft Opernhaus Zürich tätig war.
Zuvor arbeitete sie unter anderem an der Staatsoper Berlin und beim Staatsballett Berlin. Sie gilt als erfahrene Kulturmanagerin mit starkem Profil in Kommunikation, Marketing und institutioneller Entwicklung.
Die freie Marktwirtschaft gehört allerdings nicht zu ihrem bevorzugten Terrain.
Dass das Schauspielhaus jetzt eine solche Fachfrau holt, ist kein Zufall. Das grösste Theater der Schweiz kämpft seit Längerem mit Zuschauerschwund und einem massiven Legitimationsproblem. Die Auslastung ist tief, die Kritik laut, die Subventionen hoch. Für ein Haus, das jährlich mit 40 Millionen Franken öffentlich finanziert wird, ist das kulturpolitisch brisant.
Zumal das angeschlagene Schauspielhaus nun faktisch vier hoch bezahlte Führungskräfte im Intendanz-Umfeld beschäftigt: Pınar Karabulut und Rafael Sanchez als Co-Intendanz, Sabine Turner als geschäftsführende Direktorin sowie den langjährigen kaufmännischen Direktor Peter Hüttenmoser, der Turner bis zu seiner Pensionierung Mitte 2029 unterstützt.
Der Verwaltungsrat spricht von «anstehenden Herausforderungen». Co-Präsidentin Beate Eckhardt sagt: «Sabine Turner bringt die Erfahrung, Kompetenz und Innovationskraft mit, um die anstehenden Herausforderungen zu meistern.» Mit der neuen Strategie wolle man dem Schauspielhaus «wieder zu nachhaltigem Erfolg verhelfen».
Das klingt nach Aufbruch – aber auch nach Reparaturbetrieb. Denn wenn leere Reihen mit vollen öffentlichen Kassen überbrückt werden, wird Kulturförderung schnell zur Subventionitis.
In der rot-grün regierten Stadt Zürich ist dies besonders heikel: Der Verwaltungsrat besteht aus neun Mitgliedern, fünf davon werden von Stadt und Kanton abgeordnet. Man darf ihn deshalb durchaus als verlängerten Arm der öffentlichen Kulturpolitik verstehen.
Parallel zur Personalie Turner hat der Verwaltungsrat den langjährigen technischen Direktor Dirk Wauschkuhn zum Beauftragten und Nutzendenvertreter für die Gesamtinstandsetzung des Pfauen ernannt. Auch baulich steht dem Haus also eine Grossbaustelle bevor.
Sabine Turner übernimmt damit nicht einfach einen neuen Job. Sie übernimmt eine Bühne, auf der sich künstlerische Krise, politische Verantwortung und öffentliche Millionen verdichten.
Im Verwaltungsrat der Schauspielhaus AG, deren Hauptaktionäre die Stadt und der Kanton Zürich sind, sitzen: Die Co-Präsidenten Stefan Mühlemann und Beate Eckhardt, Ursula Amrein für den Kanton Zürich, Rebekka Fässler und Alexandros Ioannidis (Personalvertreter) für die Stadt Zürich, Patrick Middendorf, Seraina Rohrer für den Kanton Zürich, Werber David Schärer für die Stadt Zürich und Allegra Sosso, Vorsitz Finanz- und Auditausschuss.




