Beim Schweizer Fernsehen (SRF) redet man lieber über hohe Quoten, die einem die Nati mit Murat Yakin beschert, statt über die von der Fifa zurückgezogene rote Karte auf dem Fussballplatz.
Diese wurde US-Nationalspieler Folarin Balogun im WM-Sechzehntelfinale am 1. Juli im Spiel gegen Bosnien-Herzegowina gezeigt und durch ein Telefonat von Donald Trump an Fifa-Chef Gianni Infantino mirakulöserweise am Montag in Luft aufgelöst. Die Fussbalwelt tobte.
Nicht so im Fernsehstudio von SRF 2 nach 20 Uhr, wo Moderatorin Annette Fetscherin vor dem Spiel Portugal gegen Spanien mit den Studiogästen Mladen Petric und Marc Schneider über vieles sprachen, nur nicht über den weltweit besprochenen Skandal in der Fussballwelt.
Es habe 1 Stunde, 42 Minuten und 32 Sekunden gedauert, bis der Skandal im Zürcher Leutschenbachstudio das erste Mal in der Halbzeitpause diskutiert worden war. Für Daniel Leu, stellvertretender Sportchef beim «Blick», die rote Karte fürs Schweizer Fernsehen. «Die ganze Welt redet über Balogun – ausser SRF», titelt der Sportjournalist seine Geschichte und verweist auf das Tessiner Fernsehen, das bereits nach 5 Sekunden das Skandalthema aufgriff, RTS nach 12 Minuten und 22 Sekunden, der Privatsender Servus TV kam nach 32 Sekunden zum Thema und das öffentlich-rechtliche ZDF holte nach 3 Minuten und 56 Sekunden zur automatischen Sperre nach einer roten Karte aus.
Mit dieser Entscheidung sei für die UEFA «eine rote Linie überschritten» worden. Der europäische Fussballdachverband äusserte sich zur automatischen Sperre für das Spiel nach der roten Karte gegen den Spieler Folarin Balogun. Der Fall wurde nämlich für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt. Die Fussballwelt tobt.
Am Zürcher Leutschenbach von SRF hat man es mit heiklen Themen nie eilig, schneller ist der Sender hingegen immer wenn es um gute PR für einen selber geht, dann ist man mit TV-Ratings zur Stelle.
Im dramatischen Elfmeterschiessen gegen Kolumbien setzte sich die Schweizer Nati mit 4:3 durch. Das verfolgten am Dienstagabend «bis zu 1,18 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer live auf SRF zwei», wie SRF am Mittwoch mitteilte. Das entspreche einem Marktanteil von 78,3 %. Und rund 930’000 Starts erreichte die Partie auf den SRF-Onlineplattformen.
«Das WM-Special auf srf.ch/sport und in der SRF Sport App erreichte derweil bis und mit der Achtelfinals über 37 Millionen Visits», so der Sender.




