CH-Media-Verleger Peter Wanner weist in einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» die Untergangsszenarien für Regionalmedien zurück. Der finanzielle Turnaround sei geschafft, die Auflage stabilisiert. Langfristig werde die gedruckte Zeitung jedoch wohl nicht mehr täglich erscheinen.
Wanner widerspricht dem Ringier-CEO Marc Walder, der privaten Regionalmedien düstere Zukunftsaussichten attestiert. CH Media sei keineswegs fundamental bedroht, sagt der Verleger in der «Neuen Zürcher Zeitung». Im Gegenteil: In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres liege die Sparte Publizistik beim Umsatz markant über Budget. Zudem sei es gelungen, den Rückgang bei den Printabos im vergangenen Halbjahr erstmals mit E-Paper- und Onlineabos zu kompensieren.
Nach schwierigen Jahren sieht Wanner auch finanziell die Wende erreicht. Im vergangenen Jahr lag die Gewinnmarge von CH Media aber bei lediglich 3,5 Prozent.
Nach Personalabbau und dem Wegfall doppelter IT-Kosten sei nun aber der Turnaround gelungen, verkündet der Verleger. Den Vorwurf, der operative Gewinn beruhe im Wesentlichen auf öffentlichen Geldern für regionale Radio- und TV-Sender, kontert Wanner scharf: «Sorry, das sind Fake News.»
Damit reagierte er auf das Gekeife von Marc Walder am Swiss Media Forum von Anfang Mai im KKL Luzern, wo der Ringier-Manager Verlegersohn Michael Wanner im erweiterten Sinne als Subventionsjäger auf der Bühne darstellte.
Die Subventionen seien Kostendeckungsbeiträge für Leistungsaufträge; Gewinne dürften mit den konzessionierten Sendern gar nicht ausgeschüttet werden, behauptet Vater Wanner nun in der NZZ, so wie Sohn Michael davor in Luzern. Walder rechnete über den Daumen gepeilt vor, dass das alles eher knapp bemessen sei.
Hier hätte eigentlich Event-Moderatorin Evelyne Kobler eingreifen müssen. Gleich wie bei anderen Interventionen an der gehässigen «Elefanten-Runde».
Die Moderatorin der Wirtschaftssendung «Eco Talk» hätte die Vollintegration von der US-Software Palentir bei Ringier ansprechen müssen sowie den ordnungspolitischen Unsinn, dass der private Ringier-Verlag die SRG vermarktet.
Oder der finanzielle Grosseinstieg der NZZ bei der börsenkotierten APG mit CEO Felix Graf wäre eine Nachfrage wert gewesen. Die immer währende Sparwut von Pietro Supino könnte von Interesse sein oder das Engagement bei der Swiss Marketplace Group (SMG). Natürlich wäre es schwierig gewesen wenn Kobler ihre eigene Chefin Susanne Wille hätte fragen müssen, ob diese bemerkt habe, dass der Abstimmungskampf um die SRG-Begrenzungsinitiatve vorbei ist. Wille blieb in ihrem PR-Sprech stecken.
Das ganze Elefanten-Ründchen wirkte inhaltlich etwas gespenstig.
Im Gespräch mit der NZZ erklärte Wanner, zentral für die Zukunft von CH Media bleibe der Lokaljournalismus. «Was vor ihrer Haustür passiert, interessiert die Leute sehr stark», sagt er. Informationen über kommunale und kantonale Wahlen oder Abstimmungen lieferten vor allem die Regionalmedien. Das Unternehmen müsse deshalb nicht geografisch wachsen, sondern seine Verankerung in den Regionen vertiefen. Mit einem titelübergreifenden Digitalabo und einer stärkeren Präsenz in sozialen Medien will CH Media zugleich jüngere Nutzerinnen und Nutzer erreichen.
Beim Print rechnet Wanner langfristig mit einem Einschnitt: Wegen hoher Druck- und Vertriebskosten könnten die gedruckten Zeitungen bei weiter sinkender Auflage künftig nur noch drei-, zwei- oder einmal pro Woche erscheinen. Dies sei allerdings erst in mehreren Jahren zu erwarten.
Wachstum verspricht sich CH Media auch vom Fernsehen und vom Streamingdienst Oneplus, dessen Abonnentenzahl im vergangenen Jahr um 60 Prozent gestiegen sei.
Besonders Sportrechte sollen eine wichtige Rolle spielen. CH Media interessiert sich für Free-TV-Rechte an der Fussball-Champions-League, die bisher bei der SRG lagen. Wanner fordert eine klarere Aufgabenteilung: «Alles, was durch den Markt finanzierbar ist, sollte den Privaten überlassen werden.» Die SRG solle sich stärker auf Information, Kultur, Wissenschaft und Bildung konzentrieren.
Trotz digitalem Wandel, Werbedruck und sinkender Printauflagen gibt sich der Verleger optimistisch: «Das ist nicht Zweckoptimismus, sondern echter Optimismus.»



