Content:

Freitag
29.05.2026

Medien / Publizistik

Ein Tweet von Elon Musk war der Aufhänger

Ein Tweet von Elon Musk war der Aufhänger

Der Schweizer Presserat hat die «Neue Zürcher Zeitung» (NZZ) gerügt. Dabei ging es um einen Tweet von Elon Musk zum Anschlag vom 20. Dezember 2024 auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt.

«Elon Musk preist die AfD nach dem Anschlag von Magdeburg als 'einzige Hoffnung'. Ein früherer EU-Kommissar spricht von Wahleinmischung», titelte die NZZ am 22. Dezember 2024 in der Onlineausgabe.

Ausgangspunkt des Artikels war der Anschlag zwei Tage zuvor auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt. Der Attentäter Taleb A. war mit überhöhter Geschwindigkeit in die Menschenmenge gerast und tötete sechs Menschen und verletzte über 300 Personen.

Ein Leser beschwerte sich darauf beim Presserat. Konkret stiess er sich an folgendem Satz in dem NZZ-Onlineartikel: «Tatsächlich erhielten die acht vorwiegend migrantischen jungen Männer, die vor mehreren Jahren eine Frau in Hamburg vergewaltigt hatten, nach dem Jugendstrafrecht nur eine Bewährungsstrafe. Das Opfer hingegen musste wegen Beleidigung ins Gefängnis, weil es nach der Tat einen seiner Vergewaltiger per WhatsApp beschimpft hatte. Das Urteil des Amtsgerichts Hamburg fiel im Juni.»

Hier habe die «Neue Zürcher Zeitung» gegen die Wahrheitssuche und auch die Berichtigungspflicht verstossen, monierte der Leser.

In seiner am Freitag publizierten Stellungnahme teilt der Presserat die Meinung, dass der Artikel «mehrere Unwahrheiten» enthalte.

So sei das Opfer nicht erwachsen gewesen, sondern minderjährig. Und nicht das Opfer, sondern eine unbeteiligte Dritte hätte den Täter per WhatsApp beschimpft. Nicht acht, sondern zehn Männer seien angeklagt gewesen. Und es stimmte gemäss Presserat auch nicht, dass die Täter alle nur zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden seien.

Diese falschen Angaben sind für den Presserat «erheblich». Sie verletzten mit der Wahrheitssuche eines der Grundprinzipien der Presseethik.

Damit würden sie auch «das Vertrauen in die Medien insgesamt erodieren», versteigt sich der Presserat etwas in seiner Analyse.