CH Media lanciert mit «Schweiz heute» ein neues nationales Newsportal – und setzt damit digital wieder stärker auf die publizistische Kraft der eigenen Regionaltitel.
Der Schritt ist medienpolitisch bemerkenswert: Noch im Herbst 2024 hatte das Unternehmen die sechs regionalen Today-Portale panikartig per sofort eingestellt. 34 Mitarbeitende verloren damals ihre Stelle.
Nun folgt die nächste Aktion im digitalen Bereich. «Schweiz heute» ist seit Donnerstagabend online und als App verfügbar.
Das Portal soll nationale und internationale Themen bündeln und zugleich «die besten Geschichten aus den Regionen» sichtbar machen, wie CH Media in einer Mitteilung am Freitagmorgen schreibt.
CEO Michael Wanner formuliert es so: «Qualitätsjournalismus braucht heute sowohl nationale Einordnung als auch regionale Nähe.»
Getragen wird das neue Angebot vom Redaktionsnetzwerk der CH-Media-Tageszeitungen mit 350 Journalistinnen und Journalisten.
Chefredaktor Patrik Müller spricht gegenüber SRF von grosser Vorfreude. Gleichzeitig betont er, dass diesmal keine teure Wette eingegangen werde: Man wolle «keine Millionen aus der Kasse nehmen».
Aus welcher Kasse will Journalist Müller denn Millionen nehmen?, fragt sich der Klein Report.
Zwar ist die Inlandredaktion um 2 Stellen verstärkt worden, den Grossteil der Inhalte lieferten aber die bestehenden Redaktionen.
Damit unterscheidet sich «Schweiz heute» von den eingestellten Today-Portalen. Diese hatten zwar Reichweite erzielt, aber die notwendigen Umsätze im hart umkämpften Onlinemarkt nicht erreicht.
CH Media sah damals keine Perspektive, die Plattformen kostendeckend zu betreiben. Der Aargauer Verlag wollte sich danach stärker auf etablierte Zeitungs-, TV- und Radiomarken konzentrieren.
Parallel zur Lancierung führt CH Media ein neues Abo-Modell nach GA-Prinzip ein. Wer ein digitales Abo einer CH-Media-Tageszeitung besitzt, erhält künftig ohne Aufpreis Zugriff auf die digitalen Inhalte aller Tageszeitungen des Hauses.
Thomas Wegmann, Leiter Publishing, spricht vom Zugang zum «ganzen Universum unserer Zeitungstitel quer durch die ganze Deutschschweiz».
Patrik Müller ergänzt: «Unsere Leserinnen und Leser interessieren sich zunehmend für Themen weit über die eigene Region hinaus.» Doch hier stellt sich eine zentrale Frage: Wer ist bereit, für Online-Inhalte ein Abo zu kaufen?
SRF-Medienredaktor Salvador Atasoy sieht Chancen, aber auch Grenzen. Nutzerinnen und Nutzer wechselten heute häufiger das Medium, wenn die Inhalte überzeugten. Zugleich entstünden durch die neue Strategie weder neue Stellen noch neue Perspektiven für den Journalismus.
Die Botschaft des Klein Reports ist nüchtern: CH Media kehrt digital zum Lokaljournalismus zurück – aber mit angezogener Kostenbremse.




