Die drei Digitalexperten Michael Hinderling, Severin Klaus und Milo Peter haben in Zürich das Studio Heart gegründet. Das Unternehmen will Firmen dabei begleiten, künstliche Intelligenz (KI) gezielt einzusetzen.
Der Klein Report sprach mit Co-Founder Michael Hinderling über die Hintergründe und Motivation zur Agenturgründung, über die Köpfe im Team und über die Herausforderung, KI nicht nur dazu zu nutzen, bekannte Produkte günstiger zu produzieren, sondern, auch neue Produkte zu entwickeln.
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, die HEART Identity AG zu gründen?
Michael Hinderling: «Die Idee ist über längere Zeit gereift. Was uns beschäftigt hat: AI macht digitales Bauen unglaublich einfach. Damit werden aber auch viele digitale Erlebnisse austauschbar, weil alle mit denselben Werkzeugen ähnliche Lösungen generieren. Über den Erfolg entscheidet dann nicht mehr die Technologie, sondern zwei ganz alte Fragen: Was ist es wert, gebaut zu werden? Und wie gut wird es gebaut? Wir bauen seit über zwanzig Jahren digitale Produkte und Plattformen und haben immer wieder gesehen, dass diese Kombination selten aus einer Hand kommt. Genau dafür haben wir HEART gegründet.»
Gab es einen speziellen Moment, einen speziellen Auslöser?
Hinderling: «Einen einzelnen Blitzmoment gab es nicht, eher eine Verdichtung. Nach meinem Ausstieg aus dem Tagesgeschäft bei DEPT habe ich mich intensiv mit AI auseinandergesetzt, zuerst im Executive Program am MIT zu ‘Artificial Intelligence: Implications for Business Strategy’, danach zwei Jahre sehr praktisch in der selbstständigen Arbeit, mit viel Craft und vielen AI-Experimenten. Da wurde greifbar, wie gross das Fenster ist, das sich gerade öffnet. Der eigentliche Auslöser kam dann aus dem Markt: Anfragen für grössere Mandate, die genau diese Verbindung von strategischer Klarheit und handwerklicher Qualität verlangten. Irgendwann war klar: Das macht man nicht nebenbei. Dafür braucht es ein Studio.»
Was genau haben Sie nach dem Agenturverkauf an DEPT gemacht?
Hinderling: «Nach dem Verkauf 2020 habe ich DEPT Schweiz als Managing Director und Partner geführt, ab 2022 war ich noch als Advisor mit einem 40-Prozent-Pensum an Bord. Parallel dazu habe ich die erwähnte Weiterbildung am MIT gemacht. Ab 2024 habe ich mich dann ganz auf die selbstständige Tätigkeit konzentriert, mit starkem Fokus auf Craft und AI-Experimente. Rückblickend waren diese zwei Jahre so etwas wie das Labor für HEART.»
Die Agenturgründung ist von drei Partnern gemacht worden. Wer sind neben Ihnen die anderen beiden Herren?
Hinderling: «Severin Klaus und Milo Peter. Wir haben viele Jahre zusammengearbeitet, zuerst bei Hinderling Volkart, später bei DEPT. Severin verantwortet bei uns die Technologie. Er hat als unabhängiger Entwickler in den frühen Tagen des Webs angefangen und seither jeden grossen Technologiesprung mitgemacht, bis zu den AI-Anwendungen von heute. Bei Hinderling Volkart war er Managing Partner und Head of Interaction Development, nach dem Zusammenschluss mit DEPT dann Managing Partner und Technical Director. Technisch verantwortete er digitale Erlebnisse für Marken wie Swiss, Schweiz Tourismus, PostFinance oder FREITAG. Sein Anspruch bei HEART: Ambitionierte kreative Ideen brauchen ein technisches Fundament, das skaliert und über Jahre trägt.»
Und was ist die Funktion von Milo Peter?
Hinderling: «Milo ist unser Experience Designer. Er kam 2011 zu Hinderling Volkart, hat sich vom Designer zum Experience Director entwickelt und später die Experience-Disziplin von DEPT in der DACH-Region geprägt. Seine Arbeit steckt hinter Plattformen wie Schweiz Tourismus, Swiss oder Ricola. Bei HEART kümmert er sich um die Momente, in denen Strategie zum Erlebnis wird: User Journeys, Interaktion, all die Details, die dafür sorgen, dass man einem Produkt vertraut und sich an die Marke dahinter erinnert.»
Wer ist sonst noch im Team?
Hinderling: «Dazu kommen Co-Founder Beat Muttenzer sowie Katrin Park und Dario Linke im Kernteam. Strategie, Experience und Technologie kommen bei uns aus einer Hand. Da lehne ich mich gerne aus dem Fenster: Kein zweites Team in der Schweiz bringt so viel Kompetenz im Bauen komplexer digitaler Produkte und Enterprise-Plattformen so konzentriert an den Tisch. Und wir bauen selbst.»
Wie viele Kunden sind bereits auf Ihrer Liste?
Michael Hinderling: «Wir sind seit Mai operativ und arbeiten bereits an mehreren Mandaten. Darunter die Erich Keller AG, für die wir ein komplexes Web-Portal entwickeln, HIAG Immobilien mit verschiedenen Vermarktungsprojekten, und eine namhafte Schweizer Finanzinstitution, die wir strategisch dabei begleiten, ihr Geschäftsmodell in eine digitale, stark von AI geprägte Welt weiterzuführen.»
Für wen arbeiten Sie zurzeit am meisten?
Hinderling: «Aktuell für die Erich Keller AG. Das Mandat steht ziemlich exemplarisch für HEART: Redesign und ein komplexes Web-Portal, von Design über Entwicklung und intelligente Systeme bis zum Content. Also genau das, wofür wir angetreten sind: die Marke weiterentwickeln und die Plattform dazu gleich selbst bauen.»
Und wie setzt die Agentur HEART Identity AG KI ein?
Hinderling: «Auf zwei Ebenen. Zum einen in dem, was wir für Kunden bauen. Wir entwickeln digitale Plattformen, Produkte und Markenerlebnisse als adaptive, lernende Systeme, die die Identität einer Marke nicht nur bewahren, sondern aktiv weiterentwickeln: intelligente Inhalte, lernende Designsysteme, bis hin zu neuen digitalen Produkten und Geschäftsmodellen. Beim Portal für Erich Keller etwa gehören intelligente Systeme von Anfang an zur Architektur. Und mit der erwähnten Finanzinstitution arbeiten wir daran, ihr Geschäftsmodell mit AI in die digitale Welt weiterzuführen. Zum anderen setzen wir AI natürlich in der eigenen Arbeit ein, sie macht uns schneller und präziser. Aber Effizienz ist für uns erst der Anfang. Viele Unternehmen nutzen AI heute, um das Gleiche günstiger zu tun. Die grössere Chance liegt darin, Neues zu schaffen: neue Produkte, neue Märkte, neue Zielgruppen. Genau dabei helfen wir.»




