Der Schweizer Arbeitsmarkt steht vor einer tiefgreifenden Verschiebung: Nicht die Fabrikhalle gerät durch künstliche Intelligenz (KI) zuerst unter Druck, sondern das Büro.
Eine neue Analyse der Denkfabrik einstAIn zeigt: Von drei Millionen untersuchten Jobs weisen 28 Prozent eine hohe KI-Exposition auf. Betroffen sind über 850’000 Stellen mit einer Lohnsumme von mehr als 80 Milliarden Franken.
Besonders stark trifft es Administration, Verwaltung, Finanzen und Recht. Dort kann KI viele typische Tätigkeiten beschleunigen, strukturieren oder teilweise übernehmen. «Überall, wo ein Bildschirm leuchtet, verändert KI die Arbeit», heisst es in der Analyse, die von Angestellte Schweiz und Kuble – House of Intelligence getragen wird.
Gleichzeitig bedeutet KI-Exposition nicht automatisch Stellenabbau. Entscheidend ist, ob Unternehmen die Technologie bloss zur Kostensenkung einsetzen – oder ob sie daraus neue Dienstleistungen, Produkte und Geschäftsmodelle entwickeln.
Arbeitgeberökonom Patrick Chuard-Keller betont denn auch, im Vordergrund stehe die Frage, wie Unternehmen das Potenzial für Wachstum und neue Tätigkeiten nutzen könnten.
Der Druck ist auch demografisch begründet. Bis 2029 erreichen in der Schweiz 788’000 Personen das Pensionsalter, während nur 640’000 Junge in den Arbeitsmarkt eintreten. Produktivitätsgewinne werden damit nicht nur zur Chance, sondern zur Notwendigkeit.
Die Tamedia-Zeitungen zeigen die andere Seite der Entwicklung: KI-resistent sind vor allem Berufe, die menschliche Präsenz, Empathie, handwerkliche Anpassungsfähigkeit und Verantwortung verlangen.
Genannt werden unter anderem Pflege, Kinderbetreuung, Physiotherapie, Chirurgie, Rettungsdienst, Seelsorge, Bergführung, Hauswartung, Coiffeurberufe, Gartenbau, Schreinerei und Lehrberufe.
Doch auch diese Berufe bleiben nicht unberührt. KI wird dort eher zum Werkzeug – bei Planung, Dokumentation, Diagnose oder Weiterbildung. Der Kern der Arbeit bleibt aber menschlich.
Die eigentliche Herausforderung liegt damit weniger in der Technologie als in der Qualifikation. Die Schweiz braucht nicht nur KI-Tools, sondern Menschen, die sie sinnvoll einsetzen können.




