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Freitag
28.08.2026

TV / Radio

Donald Trump baut sich seine eigene Welt - und will fast überall seinen Namen sehen… (Bild: Pixabay)

Donald Trump baut sich seine eigene Welt - und will fast überall seinen Namen sehen… (Bild: Pixabay)

Man muss Donald Trump eines lassen: Er bringt wieder Dynamik in den Geografieunterricht.

Während Generationen von Schülern mühsam auswendig lernen mussten, wo der Golf von Mexiko liegt oder wie die Grossen Seen heissen, retuschiert der Herr im Oval Office jahrhundertealte Kartografie mit einem beherzten Strich seines schwarzen Schreibers.

Aus dem Golf von Mexiko wurde im Trump-Universum der «Golf von America». Und weil der kanadische Nachbar im Zollstreit nicht spurt, wird der Lake Ontario kurzerhand per Dekret zum «Lake America» umgetauft. Dies berichtet unter anderem die Washington Post.

«Making the Great Lakes Even Greater» heisst das Motto von Trump. Die kanadische Gans, die das Weisse Haus auf X virtuell vom US-Adler rupfen liess, lässt grüssen. Das kanadische Radio CBC reagiert darauf in einer Mischung aus Unverständnis, Fassungslosigkeit und Zynismus.

Doch Trumps Vorgehensweise hat Methode. Wer daheim politisch im Nebel stochert, greift eben gerne zu geopolitischen Ablenkungsmanövern. Denken wir an den Mount McKinley, den der US-Präsident auf Kosten der Indigenen an den Bundesstaat Alaska zurückgab und den Namen Denali kurzerhand auslöschte, oder an die «Strasse von Trump», wie er die Strasse von Hormus nonchalant taufte.

Selbst vor der Washingtoner Kulturpromenade machte das Trump-Ego nicht halt: Am renommierten Kennedy Center sollten unbedingt die eigenen fünf Buchstaben prangen, ehe ein Richter die Selbstbeweihräucherung stoppte. Es ist die maximale Kompensationspolitik: Kannst du die Handelsverhandlungen oder den Krieg nicht gewinnen, taufst du eben die Landschaft um.

Aber denken wir den Expansions-Kurs doch einmal konsequent zu Ende! Wenn ein See reicht, um Muskeln spielen zu lassen, was folgt als Nächstes? Wird der Atlantik demnächst zur «Trump Sea» erklärt? Bekommt der Pazifik das Gütesiegel «MAGA Ocean»?

Und wie steht es eigentlich um Europa? Aus US-Perspektive ist die alte Welt doch ohnehin nur ein staubiges Freilichtmuseum mit viel zu hohen Steuern. Wann erklärt Washington unseren Kontinent offiziell zu «America East»? Die Schweiz als «Little Colorado» und das helvetische Mittelland als «Trump Valley» – das hätte zumindest für das Marketing von Schweiz Tourismus ganz neue, ungeahnte Reize.

Doch zurück in die neue Welt: Kanadas Premierminister Mark Carney konterte gemäss CNBC trocken: Der Name Lake Ontario sei über 400 Jahre alt und damit älter als die USA selber. Doch historische Fakten sind im Zeitalter des kartografischen Populismus bestenfalls Garnitur.

Erfrischender reagierte Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum: Sie schlug mit spitzem Lächeln vor, den US-Süden wieder «America Mexicana» zu nennen – wie auf den Weltkarten des 17. Jahrhunderts.

Letztlich bleibt die Erkenntnis: Namen sind für Trump nicht Schall und Rauch, sondern Immobilien-Branding auf planetarer Ebene. Nur eines hat der Meister der Geschichtsänderung vergessen: Die Erde dreht sich weiter – völlig egal, welchen Namen der Mann im Oval Office gerade auf seine Tischunterlage kritzelt.