Der Genfer Cloud- und Hostinganbieter Infomaniak will seine Unabhängigkeit mit einem Strukturwechsel langfristig absichern: Gründer Boris Siegenthaler hat die Mehrheit der Stimmrechte des Unternehmens an eine neu geschaffene gemeinnützige Schweizer Stiftung übertragen. Damit soll der europäische Tech-Pionier dauerhaft vor Übernahmen geschützt werden.
Die am 13. Mai 2026 gegründete Infomaniak Stiftung übernimmt künftig als Referenzaktionärin die Kontrolle über die Infomaniak Group SA. Die Spezialaktien der Stiftung können laut Unternehmen nie verkauft werden. «Unsere Unabhängigkeit ist kein Versprechen. Sie ist eine Struktur», erklärte Gründer und Chief Strategy Officer Boris Siegenthaler auf dem Presseportal ots.
Die Stiftung verfolgt zwei Ziele: Einerseits soll sie Projekte in den Bereichen digitale Souveränität, ethische Digitalisierung, Umwelt und Energiewende fördern. Andererseits wacht sie über die strategische Unabhängigkeit von Infomaniak. Hintergrund ist die zunehmende Dominanz amerikanischer Tech-Konzerne und die Übernahme mehrerer europäischer Cloud-Anbieter durch ausländische Investoren.
Im ehrenamtlichen Stiftungsrat sitzen Marc Maugué, Jonathan Normand, Claire Siegenthaler sowie Boris Siegenthaler selbst, der den Vorsitz während einer dreijährigen Übergangsphase übernimmt.
Das operative Geschäft bleibt unverändert beim bisherigen Führungsteam: Marc Oehler fungiert weiterhin als CEO, Céline Morey als CFO und Boris Siegenthaler als CSO. Die Stiftung werde keine operativen oder technischen Entscheidungen treffen, betont das Unternehmen.
Infomaniak wurde 1994 gegründet und beschäftigt heute über 340 Mitarbeitende in der Schweiz. Laut eigenen Angaben erzielte die Gruppe 2025 einen Umsatz von 56 Millionen Franken – ein Wachstum von 50 Prozent innerhalb von drei Jahren. Bereits zuvor hatte Siegenthaler die Beteiligung am Unternehmen schrittweise für 36 Mitarbeitende geöffnet. Externe Investoren gibt es bislang nicht.
Mit der neuen Struktur könne Infomaniak zwar weiterhin wachsen und Kapital aufnehmen, die Kontrolle über Strategie und Unternehmensauftrag bleibe jedoch dauerhaft gesichert. Ein Verkauf oder Kontrollwechsel sei künftig nur noch mit Zustimmung der Stiftung möglich.




