Es war heiss. Die Party 25 Jahre Mediaschneider war noch heisser: 35 Grad beim Empfang in der Zürcher «Riithalle».
Eine ungewöhnlich lange Hitzewelle hat die Schweiz in den Schwitzkasten genommen. Kein Grund, nicht 25 Jahre Urs Schneider zu feiern, im Innenhof der Gessnerallee im Stadtkreis 1, gerade gegenüber der Agentur Mediaschneider an der Nüschelerstrasse 44.
Dort führt CEO Christoph Bürge seit dem 1. Dezember letzten Jahres die Geschicke der inhabergeführten Mediaagentur. «Ich wünsche Urs, dass seine Begeisterung für alles, was er tut, noch sehr lange anhalten wird. Sie wird ihn jung halten», sagte Bürge, der beim Empfang viele der 240 Gäste am Donnerstagabend persönlich begrüsste.
«Seine Begeisterung mit Worten und Taten, mit Kopf und Bauch, die Urs in die Welt trägt, ist immer maximal ansteckend», sagte Bürge auch mit Blick auf die nächsten 25 Jahre Mediaschneider zum Klein Report.
«Bei der Gründung 2001 war ich gerade einmal 15 Jahre alt und Werbung war das Letzte, was mich damals beschäftigt hat», sagt Moritz Schneider. «Richtig in Kontakt kam ich im Herbst 2011, als ich als studentische Aushilfe im Digital Team, das aus drei Personen bestand, eingestiegen bin.» Dort hat der Digitalexperte auch gemerkt, «dass aus einem Nebenjob eine Leidenschaft werden kann», wie er ausführte.
Mit Bruder Basil, gelernter Koch und heute Media-Spezialist in der Agentur, sprachen die Söhne über ihre Erlebnisse in einer Unternehmerfamilie.
Denn auch Marlise, ehemalige Event-Managerin und Erfinderin des legendären APG-Hoffestes, ist im Hintergrund immer dabei. «Ich habe Urs am 23. März 1983 im Werbeleiterseminar am SAWI in Biel getroffen. Er war unser Dozent im Fach Mediastrategie. Seit da gehen wir zusammen durchs Leben», sagte die Ehefrau von Urs schmunzelnd zum Klein Report und prostete mit ihm den vielen Freunden zu.
Stichwort Schweizerisches Ausbildungszentrum für Werbung und Marketing (SAWI) und Statistiken. Monika Schärer, die wie gewohnt galant durch den Abend moderierte, hatte einige Gäste ans Mikrofon gebeten, die genau aus dieser Ära berichteten. «Ich absolvierte als blutjunger Branchenneuling die Ausbildung zum Werbeassistenten am SAWI in Biel. Urs dozierte Mediaplanung und später Statistik. Das trockenste Fach, das man sich als junger Werber voller Ideen vorstellen kann. Und Dank Urs eines der Spannendsten», wusste Christoph Bürge zu berichten, der Urs 1987 kennengelernt hat.
TV-Frau Schärer war 2009 gemeinsam mit Urs und Marlise auf einer Bali-Reise, die sie mitorganisiert hatte. «In der Folge engagierte mich Mediaschneider für das 10 Jahre Jubiläum und jetzt wieder für das 25 Jahre Jubiläum», so die freischaffende Moderatorin und Auftrittscoach.
Auch das eine der wiederkehrenden Aussagen: Beständigkeit, Freundschaft, weitermachen. Das Weitermachen kommt auch vom Sport. Urs Schneider ist ja neben seinen herausragenden mathematischen Fähigkeiten auch fast schon ein Radrennfahrer. Die letzten paar Wochen sauste er in Norditalien über die Strassen und war am «Gümmälä».
Anmerkung für die zugewanderten deutschen Mediaschneider-Fans: Das ist ein umgangssprachlicher Begriff, der den Gummiabrieb beim Rennvelo-Pneu beschreibt. Die armen deutschen Gäste hatten aber nicht nur mit der Hitze auch noch bei Anpfiff um 22 Uhr zu kämpfen, das deutsche WM-Team unter Trainer Julian Nagelsmann bekam 1:2 aufs Dach von Ecuador, dementsprechend war es in einer kühlen und schattigen Ecke in der «Riithalle» vor der Leinwand eher ruhig.
Den Mitarbeitenden wird geschaut, auch wenn Unternehmer Urs Schneider eine gewisse Schärfe an den Tag legen kann. Nach Umstrukturierungen, die die gesamte Branche nicht nur wegen KI hart treffen, sah man viele ehemalige Angestellte bei Bier, Wein, Mineralwasser und einem maximal runtergekühlten Franciacorta gut bewirtet plaudern. Viele feine Amuse-Bouche gefolgt von Grilladen, Salten und was das Herz begehrte - bis zur Glacé.
Auch für Martin Diener ist der Umgang mit den Angestellten «jederzeit beispielhaft» gewesen, wie der Rechtsanwalt zum Klein Report sagte: «In all den Jahren war ich Zeuge eines tagtäglich vollen Einsatzes von Urs; imponierend war und ist sein umfassendes Fachwissen.»
Der promovierte Jurist war bei der Agenturgründung auf dem Notariat mit dabei. «Von Anfang an verfügte ich über (Kollektiv-) Unterschrift, damit die Gesellschaft trotz anfänglich schmalem Kader jederzeit rechtlich handlungsfähig war. Später trat ich dann auch dem Verwaltungsrat bei», ergänzte er. «Alles in allem: Eine sehr positive Zeit.»
Die lobenden Worte waren alle echt. Auch wenn der bekannte Schweizer Journalist Claus Wilhelm, alias «cwok», Mitgründer des «Blick», zu sagen pflegte: Nirgends wird mehr gelogen, als auf Beerdigungen.
Nun das war ja keine und so ging es mit den starken Frauen in die nächste Runde, die Urs, neben Marlise, stark beeinflusst haben: Claudia Mühlebach, Helena Maly and the one and only: Regina Maréchal. Über 25 Jahre lang Chefredaktorin der Unternehmensmagazine Crossair und Swiss International Airlines erfand sie auf einer Reise ins Bordeaux den Namen der Agentur: «Urs, das kann nur Mediaschneider heissen.»
Schneider war zu der Zeit Geschäftsführer der Agentur m&m von Wolfgang Mecklenburg in Glattbrugg. Am 1. August 2000 legte der Klein Report los, 2001 ging Mediaschneider an den Start. Die Wahrheit liegt nicht nur im Wein, aber auch ein bisschen, speziell im Bordeaux, wo die Reisegruppe unter kundiger Führung von Weinkenner René Gabriel in den Rebbergen und Châteaux Zeit zum Nachdenken und Plaudern hatte. Und so ermunterte auch Ursula Klein auf der Reise den professionellen Media-Manager: «Es ist Zeit, Urs. Jetzt.»
Mit predictive Analytics oder Forecasting war da natürlich nichts zu machen, aber Urs und Marlise Schneider legten los. Und diese 25 Jahre wurden am 25. Juni 2026 gebührend gefeiert.
Lustig und inspirierend waren auch Urs Schneiders Ausführungen. Er erinnerte unter anderem über die Swissair-Kampagne, bei der Swissair-Insolvenzverwalter und Wirtschaftsanwalt Karl Wüthrich mit einer Millionenklage gedroht hatte, da das Logo nicht mehr verwendet werden durfte. Schneider weibelte in die Mediaagentur und stoppte sozusagen von Hand, die bereits gebuchte Inserateseite, die danach weiss erschien. Bis ins Bundeshaus war die Aufregung gross, bescherte aber der Fluggesllschaft danach weitere Unterstützung durch frisches Geld.
Schneider unterstrich, wie wichtig kreative Werber für Kampagnen seien. Dazu kam auch Werber Frank Bodin zu Wort. Er sprach über seine Anfänge als Geschäftsführer der damaligen Werbeagentur EURO RSCG. «Ich hatte keine Ahnung von Media und sass deshalb mit Urs zusammen.»
«Wer in unserer Branche überleben will, darf den Wandel nicht fürchten, sondern muss ihn gestalten», sagte Sohn Moritz Schneider zur Zukunft. «In 25 Jahren ist aus der Werbe- und Medienwelt eine andere geworden, von Print über Digital bis zu Programmatic und KI, und Mediaschneider war selten nur Zuschauer, sondern meistens mittendrin», so der Chief Digital Officer (CDO).
Genau diese Haltung, Veränderung nicht abzuwarten, sondern aktiv mitzuprägen, treibe ihn an und sei für ihn der eigentliche Grund, weshalb es die Agentur auch in 25 Jahren noch geben werde.




