Nach mehr als 56 Jahren will die Familie Fleury die Genfer Zeitung GHI per Jahresende einstellen.
«Diese Entscheidung haben wir nach reiflicher Überlegung getroffen», wird Pascal Fleury auf der eigenen Website am Mittwoch zitiert.
«Gemeinsam mit Jean-Marie Fleury, dem Verleger und Gründer, haben wir die Situation unserer Publikationen und die Aussichten für die kommenden Jahre eingehend analysiert. Das Ergebnis ist leider recht einfach: Das wirtschaftliche Modell für die Lokalpresse ist extrem schwierig geworden.»
Am Mittwoch hat Keystone-SDA kurz über die Probleme des Westschweizer Verlages berichtet.
Der Anzeigenmarkt habe sich grundlegend verändert, während Produktions- und Vertriebskosten weiter gestiegen seien. Besonders stark belastet werde sein Medium durch die Konkurrenz von Facebook, Google, Microsoft oder Apple auf dem Werbemarkt, so Fleury weiter.
Gleichzeitig schwächten der Rückgang des Automobilmarktes, das Verschwinden lokaler Händler und hohe Papierkosten das klassische Printgeschäft.
Auch die aussergewöhnlich hohe Auflage von 254’000 Exemplaren und die aufwendige Zustellung würden die Kosten in die Höhe treiben.
Belastend war laut dem Verleger auch, dass die Schweizerische Post das Vertriebsnetz von DMC einstellte. GHI baute daraufhin ein eigenes Zustellnetz auf und übernahm mehr als 200 zuvor entlassene Zusteller.
Hoffnungen, nach der Einstellung der Printausgabe von «20 Minutes» zusätzliche Werbekunden zu gewinnen, haben sich gemäss Pascal Fleury bisher kaum erfüllt.
Ganz aufgeben will das Familienunternehmen noch nicht. Man suche einen Käufer, der die Zeitung übernehmen wolle. Staatliche Unterstützung lehnt die Familie hingegen ab, um die redaktionelle Unabhängigkeit zu sichern.
Anfragen bei Genfer Stiftungen seien erfolglos geblieben.



