57 Jahre wartete der FC St. Gallen auf diesen Moment. Doch statt nur den historischen Cupsieg zu feiern, versinkt der Klub wenige Tage später im Chaos. Im Zentrum steht der frühere SRF-TV-Moderator Matthias Hüppi – bis vor Kurzem gefeierter St. Galler Klubpräsident, inzwischen aber zunehmend umstritten.
Als Matthias Hüppi 2018 beim FC St. Gallen das Präsidentenamt übernahm, galt er vielen als Glücksfall. Der Ur-St. Galler brachte Strahlkraft, Leidenschaft und ein enormes Netzwerk mit. Vor allem aber kämpfte er mit Herzblut für seinen Verein.
Unter Hüppi stabilisierte sich der Klub sportlich und wirtschaftlich. Der historische Cupsieg – der erste seit 57 Jahren – ist ohne seinen Anteil kaum denkbar.
Doch parallel dazu entwickelte sich beim FCSG auch ein Führungsstil, der intern längst für Unmut sorgt.
Gemäss einem Klubinsider, mit dem der Klein Report am Dienstag gesprochen hat, führte Hüppi den Klub zunehmend «wie seine Privatsache» – notabene im Vollamt. Immer mehr Vertraute seien in den Verwaltungsrat nachgerückt, kritische Stimmen dagegen verschwunden oder marginalisiert worden.
Dazu kommt die Diskussion um Hüppis Entschädigung. Laut Insiderkreisen soll der Präsident inzwischen ein Salär im mittleren sechsstelligen Bereich beziehen – für einen Klub der Grösse des FCSG eine bemerkenswerte Summe.
Dass die Spannungen mittlerweile eskaliert sind, zeigt die ungewöhnliche Intervention der St. Galler Regierung. Diese meldete sich am Dienstag mit einer proaktiven Mitteilung zu Wort – und stellte sich demonstrativ hinter die bestehende Klubführung.
Die Regierung lobte die «strategische Weitsicht» sowie die Stabilität der aktuellen Führung und warnte ausdrücklich vor einer «erzwungenen Ablösung» des Verwaltungsrats unmittelbar nach dem grössten sportlichen Erfolg seit Jahrzehnten.
Mit anderen Worten: Die Politik versucht offenbar, Hüppi den Rücken zu stärken. Doch intern scheint die Entscheidung längst gefallen zu sein.
Wie das «St. Galler Tagblatt» berichtet, kommt es im Verwaltungsrat zu einem Kahlschlag. Per 30. Juni werden – neben Hüppi – die vier langjährigen Verwaltungsräte Peter Germann, Patrick Gründler, Christoph Hammer und Benedikt Würth aus dem Gremium ausscheiden. Einzig Patrick Thoma, der rund 15 Prozent der Klubanteile hält, bleibt im Amt.
Die Nachfolger sollen schon bereitstehen: Ex-Goalie Marwin Hitz, die Juristin Martina Wüthrich sowie der Treuhänder Urs Baumer sollen zusammen mit dem ehemaligen St. Galler SVP-Regierungsrat Stefan Kölliker die neue Führung bilden. Letzterer bestätigte gegenüber SRF bereits seine Absicht, das Präsidium des FC St. Gallen zu übernehmen.
Noch soll Hüppi in einer Krisensitzung versuchen, das Blatt zu wenden. Gelingt dies nicht, könnte der Mann, der den Klub während Jahren geprägt hat wie kaum ein anderer, ausgerechnet wenige Tage nach dem grössten Triumph seiner Amtszeit stürzen.



