Sascha Ruefer ist an dieser Fussball-WM in Nord- und Mittelamerika zwar vor Ort. Nur heisst «vor Ort» bei SRF nicht zwingend im Stadion oder am Puls des Geschehehns.
Manchmal bedeutet es auch: Hotelkonferenzsaal in San Diego, gleich neben dem Wäscheraum, zwei Stockwerke über dem Pool und mit Blick auf den Monitor statt auf den Rasen.
Die «SonntagsZeitung» hat die etwas andere WM-Arbeitsweise des Schweizer Fernsehens beschrieben – quasi eine Adaption des Samschtigjass, wo der Telefonjasser aus der Distanz mitspielt. Ruefer kommentiert Spiele ohne Schweizer Beteiligung aus dem klimatisierten Hotelraum «Rancho Las Palmas».
Für die Nationalhymnen steht er auf. Das Stadiongefühl muss er sich dazudenken. Kinderlärm vom Pool ersetzt den Fanchor, die Minibar die Mixed Zone.
Ganz unfreiwillig komisch ist das nicht. Es ist auch ein Blick in die Zukunft des Sportfernsehens. Die WM 2026 ist mit 48 Teams, 104 Spielen, drei Ländern und riesigen Distanzen ein Turnier des Gigantismus. Gleichzeitig stehen öffentlich-rechtliche Sender unter Spardruck. SRF ist laut «SonntagsZeitung» mit 13 Leuten in den USA unterwegs; in Katar waren es noch 20.
Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) selbst antwortet auf Anfrage des Klein Reports wie gewohnt summarisch und abgefedert. Man biete «ein auf allen Kanälen umfassendes Rundumpaket» und zeige alle Spiele live. Im Fokus stehe die Schweizer Nationalmannschaft. Die vorhandenen Ressourcen würden «gezielt und effizient» eingesetzt. Das heisst: In der Hotelvollpension ist auch der Pressplatz beim WM-Spiel inbegriffen.
Oder um es im offiziellen Wortlaut zu sagen: Wegen der 40 zusätzlichen Spiele und der Distanzen würden Vorrunde und Sechzehntelfinals – abgesehen von den Schweizer Spielen – mehrheitlich aus Zürich kommentiert. Ruefer reportiere bei Spielen ohne Schweizer Beteiligung «nicht aus den Stadien, sondern aus San Diego», teilte SRF dem Klein Report am Montag weiter mit. An der Qualität ändere sich dadurch «nichts».
Das ist die offizielle Lesart. Die andere lautet: Der globale Fussballzirkus wird grösser, die TV-Teams kleiner, die Fifa teurer – und der Kommentator rückt näher an den Zimmerservice.
Ab den Achtelfinals sollen Ruefer, Mario Gehrer, Dani Kern und Rachel Rinast wieder direkt aus den Stadien kommentieren. Bis dahin bleibt Ruefer der wohl prominenteste Hotelgast der SRG: der Minibar-Reporter.




