Knapp zwölf Monate nach Abpfiff der UEFA Women’s Euro 2025 ist der Medienhype um Frauenfussball in der Schweiz vorbei.
Ausgerechnet am EM-Spielort Bern hat Tamedia die Spielberichterstattung über den Frauenfussball nahezu eingestellt.
So wurde der 3:2-Sieg der YB-Frauen gegen Servette Chênois erst am darauffolgenden Donnerstagnachmittag in einem Onlineartikel vermeldet. Diese redaktionelle Nachspielzeit fiel so lange aus, dass mehrere Leserinnen und Leser in Onlinekommentaren kritisch nachfragten, warum sich die «Berner Zeitung» so viel Zeit für die Siegesmeldung gelassen hatte.
Die Redaktion reagierte unüblich mit einem eigenen Kommentar, in dem Sportredaktor Adrian Horn eingestehen musste, dass die Zeitung die regelmässige Spielberichterstattung über den Frauenfussball eingestellt hat.
«Nach eingehender Analyse haben wir uns in diesem Sommer dazu entschieden, die Berichterstattung anzupassen. Alles in allem war das Interesse an den Beiträgen über die YB-Frauen zu gering, als dass es angemessen wäre, weiterhin jede einzelne Partie abzudecken», so die Erklärung von Redaktor Horn dazu. Hierbei gehe es auch um die «Fairness» gegenüber Athletinnen und Athleten aus anderen Sportarten.
Ein schlechtes Gewissen scheint man bei der «Berner Zeitung» deswegen nicht zu haben: «Wir gehörten in der letzten Saison zu den wenigen Tageszeitungen, die über jede einzelne Runde in der Women's Super League berichteten. Damit lösten wir gewissermassen ein Versprechen ein, das wir im Anschluss an die in jeder Beziehung erfolgreiche Women's Euro gegeben hatten.»
Ein Versprechen vom Sommer 2025, das im Sommer 2026 bereits gebrochen wird. Als Entschädigung will man bei Tamedia «verstärkt auf Hintergrundgeschichten wie diese und weniger auf klassische Matchberichte» setzen.
Zudem will man in Form von Livetickern vermehrt live aus den Stadien berichten. Bei den Fans kommt all das weniger gut an, wie auch ein Blick ins Diskussionsforum der YB-Fans zeigt. «Es generiert zu wenig Clicks und das ist schlecht fürs Geschäftsmodell. Die restlichen Zeichen hätte man sich sparen können», lautet der trockene Schlusspfiff eines Fans.




